Analyse

Korruptionsaffäre
Kurz tritt als Kanzler zurück – nicht aber als Machthaber

Ex-Kanzler Sebastian Kurz mit seinem Nachfolger Alexander Schallenberg.

© Robert Jaeger/APA / DPA

von Christine Leitner
10.10.2021, 18:20 Uhr

Der österreichische „Wunderwuzzi“ hat das Kanzleramt niedergelegt – und trotzdem behält er die Zügel in der Hand. Dass sich in dem Land künftig nicht viel ändern dürfte, hat aber noch einen anderen Grund.

Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung – leider war es weder Einsicht, noch Demut, die Sebastian Kurz am Samstagabend dazu bewogen, vom Amt des österreichischen Bundeskanzlers zurückzutreten. Die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe wies er weiter zurück. „Die Vorwürfe sind falsch, ich werde das aufklären können, davon bin ich zutiefst überzeugt.“

Stattdessen inszenierte sich Kurz als verantwortungsbewusster Staatsmann, der dem Land durch sein eigenes Opfer „Chaos“, „Stillstand“ und eine Regierung unter Beteiligung der FPÖ erspart. Und gleichzeitig mit seinem Rücktritt die Koalition gerettet hat. „In dieser schwierigen Zeit sollte es niemals um persönliche Interessen oder Parteiinteressen gehen. Mein Land ist mir wichtiger als meine Person“, betonte Kurz bei der Pressekonferenz.

Ob das so stimmt? Schon am Beginn seiner politischen Karriere galt Kurz als machbewusst – auch wenn viele, darunter vor allem Konservative aus Deutschland, angesichts seines Charismas und geschniegelten Äußeren gern darüber hinwegsahen. Auch den Medien fiel der PR-affine Kanzler positiv auf. „Warum haben wir nicht so einen?“, schrieb etwa die „Bild“-Zeitung 2017 zu den Nationalratswahlen. Mit einer Jahre anhaltenden GroKo unter Boomern dürften die teils schmachtenden Blicke auf den jungen Berufspolitiker im Lieblingsurlaubsland der Deutschen nicht überraschen.

Vom politischen Überflieger zum…