Es war die zweite Abstimmung seit dem militärischen Sieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat vor rund vier Jahren. Nach Angaben der Militärführung waren mehr als 250.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern. Auf den Straßen wurden zahlreiche Kontrollpunkte errichtet. Manche Wahllokale waren mit Stacheldraht gesichert. Zellen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verüben im Irak immer wieder Anschläge. Die Wahl verlief weitgehend ruhig.

Dutzende Wahlbeobachter im Einsatz

Einen tödlichen Zwischenfall gab es an einem Wahllokal in der östlich von Bagdad gelegenen Provinz Dijala. Dort wurde nach offiziellen Angaben ein Soldat durch „versehentlichen Beschuss“ eines Kameraden getötet, ein weiterer wurde verletzt.

Wähler wurden in den Wahllokalen durchsucht, Reisen zwischen den einzelnen Provinzen waren verboten. Restaurants, Einkaufszentren und Flughäfen blieben geschlossen. Die Vereinten Nationen und die EU entsandten dutzende Wahlbeobachter. „Die Iraker müssen darauf vertrauen können, wählen zu können, wie sie möchten, in einem Umfeld ohne Druck, Einschüchterung und Drohungen“, erklärte die UN-Mission im Irak.

Premierminister Mustafa al-Kasimi in einem Wahllokal in Bagdad

Insgesamt waren rund 25 Millionen Menschen aufgerufen, die 329 Abgeordneten im Parlament zu bestimmen. Ein Viertel aller Sitze ist für Frauen reserviert. Beobachter erwarten eine niedrige Wahlbeteiligung – bei der Abstimmung im Mai 2018 war sie auf ein Rekordtief von 44,5 Prozent gefallen.

Irak in tiefer Krise 

Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi hatte die Abstimmung nach Massenprotesten gegen die Regierung um mehrere Monate vorgezogen. Die Zukunft des Regierungschefs gilt als unsicher. Wer das Land in Zukunft regieren wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. 

Das Land ist politisch nach wie vor stark polarisiert, zentrale Themen sind die Präsenz der US-Truppen und der Einfluss des Iran. Die Unterstützer des populistischen Geistlichen Muktada…