Nach dem Rücktritt
Sebastian Kurz ist als Bundeskanzler zurückgetreten – ein richtiger „Kurz-Schluss“ ist das aber nicht

Auch wenn er den Posten als Bundeskanzler nicht mehr inne hat: Die Fäden hat Kurz immer noch in der Hand.

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Das Amt des Bundeskanzlers geht nun an den Außenminister, Kurz selbst bleibt aber weiter Partei- und Fraktionschef der ÖVP. Die Grünen haben erreicht, was sie wollten. Politisch ändert das aber kaum etwas.

Das Wort „Rücktritt“ vermied Sebastian Kurz. Er sprach lieber vom weniger endgültigen „Platz machen“. Es scheint, Kurz ist als Kanzler in Österreich gegangen, um zurückzukommen. In seiner siebenminütigen Rede versuchte er den Eindruck des Staatsmanns zu erwecken, der aus Verantwortung für seine Heimat handelt. „Es geht nicht um mich, es geht um Österreich.“ Die Frage, die sich dabei aufdrängte, war: Warum erst jetzt, warum nicht schon gestern oder vorgestern? Die hochbrisanten Korruptionsvorwürfe der Staatsanwaltschaft sind seit Mittwoch bekannt.

Der 35-Jährige gab eine Antwort, die den „Schwarzen Peter“ den Grünen und den politischen Gegnern zuwies. Das immer konkretere Schmieden eine Anti-Kurz-Allianz aus vier Parteien habe zu einer Patt-Situation geführt, die er nun wie einen gordischen Knoten durchschlagen müsse. Es wäre ein Wagnis für das Land, die Regierungsverantwortung in die Hände solch unterschiedlicher Parteien zu legen, es drohe ein politisches Experiment, das am Ende von der Gnade der rechten FPÖ abhänge, so der ÖVP-Politiker Kurz. Was Kurz nicht erwähnte: Der anfänglich demonstrative Rückhalt durch die ÖVP-Spitzenpolitiker in den Bundesländern hatte Risse bekommen.

Vom Bundeskanzler zum Schattenkanzler

Kurz bleibt jedoch Parteichef und wird künftiger Fraktionschef der ÖVP. Das stieß bei der Opposition auf größte Skepsis. Damit bleibe er eine zentrale…