Die Untersuchung von Tatorten (CSI – Crime Scene Investigation) wurde von Erfindungen wie der Fotokamera, der Analyse von Fingerabdrücken und wissenschaftlichen Methoden wie den DNA-Untersuchungen vorangebracht. Eine wichtige Rolle spielte auch die exzentrische Millionärin und Hobby-Kommissarin Frances Glessner Lee mit ihren blutigen Puppenhäusern. An der „Harvard Medical School“ rekonstruierte sie die Tatorte von ungelösten Fällen in kleinen Dioramen. Dioramen als Möglichkeit einer lebendigen Rekonstruktion der Vergangenheit waren seit dem 19. Jahrhundert populär, doch meist dienten sie dazu historische Szenen wie das Forum Romanum in Museen zu veranschaulichen.

Forensik
Massaker im Puppenhaus – wie eine Matrone die Kriminalwissenschaft revolutionierte

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Attic. Die Nussschalen-Modelle sollten Mordermittler schulen, „die Schuldigen zu verurteilen, die Unschuldigen zu entlasten und die Wahrheit in einer Nussschale zu finden“. Lees Detailreichtum regte dazu an, jede Ecke intensiv zu untersuchen, sei es bei der Lokalisierung einer winzigen Kugel, die in den Dachsparren einer Hütte steckte, oder bei der Betrachtung der Leichenstarre in den Beinen einer Toten. 

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Faszination des Morbiden

Lee nannte ihre Modelle „Nutshell Models of Unexplained Death“. Sie verströmen noch heute eine morbide Faszination. Die Reduktion der Größe auf die Dimension eines Puppenhauses, die mörderische Szenerie und bei einigen das Wissen, dass der Fall sich wirklich zugetragen hat und der Mörder entwischt war – solche Momente laden die kleinen Modelle emotional auf. Und auch die Vorstellung befremdet, dass eine freundliche und rundliche Dame der Gesellschaft ganze Wochen damit zubrachte, die Morde möglichst realistisch aussehen zu lassen.Die Puppenstuben sind weit mehr als ein Gruselkabinett in klein. Lee war eine Pionierin der Forensik. Zeitweise galt sie als ausführendes Organ,…