Der erste gewählte iranische Präsident nach der Islamischen Revolution, Abolhassan Banisadr, ist im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Der Mann, der als Sohn eines Ajatollahs im Westiran zur Welt kam und der erst Theologie, dann Wirtschaftswissenschaften studierte, wirkte im Habitus doch so wenig klerikal, dass er in der französischen Hauptstadt, die ihm mehrfach Zufluchtsort wurde, gut und gerne als Professor der Sorbonne durchgegangen wäre – jener Universität, an der er seine in Teheran begonnenen Studien in jungen Jahren ergänzt hatte.

Nach der blutigen Unterdrückung der Demonstrationen gegen das Schah-Regime Anfang der 1960er Jahre hatte er seine Heimat verlassen und sich erstmals nahe der europäischen Kulturmetropole, in Versailles, angesiedelt. Dort zählte er zum engsten Kreis um Ajatollah Ruhollah Chomeini, der ebenfalls im französischen Exil lebte: Banisadr war einer der Strategen der Islamischen Revolution und kehrte im Februar 1979 an der Seite des neuen geistlichen Führers im Triumphzug in den Iran zurück.

Tiefer Riss

Dort wurde aus dem Intellektuellen, der auch Englisch und Französisch sprach, ein Politiker. Banisadr war zunächst als Minister für Wirtschaft und Finanzen zuständig, später kamen auswärtige Angelegenheiten hinzu, wodurch die spektakuläre Besetzung der US-Botschaft in Teheran durch iranische Studenten im November 1979 in sein Ressort fiel. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde der Riss zwischen ihm und Chomeini sichtbar, weil er auch international auf Verhandlungen setzte: Nach wenigen Monaten verlor er das Amt des Außenministers.

Im Zuge der Islamischen Revolution von 1979 stieg Banisadr mit Ajatollah Chomeini (2. Plakat v. l.) an die Spitze des Staates

Doch ein neuerlicher Versuch, sich im Führungszirkel der Islamischen Republik zu halten, schien auf den ersten Blick zu gelingen. Im Januar 1980 ging Banisadr aus der Präsidentenwahl als eindeutiger Sieger hervor. Doch die 76 Prozent der…