von Christine Leitner
08.10.2021, 19:32 Uhr

Schon einmal ist eine Regierung in den Händen von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz zerbröselt. Nun könnte es ein weiteres Mal soweit sein – mit Kurz als Leidtragenden. Doch wie könnte es mit dem Land weitergehen, wenn der Kanzler abtreten muss? Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger aus Wien mit einer Einschätzung.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz galt lange als politischer Wunderknabe. Für viele konservative Politiker aus Deutschland war der PR-affine Kanzler aus dem Alpenland ein Idol. Lob für seine Politik erhielt Kurz unter anderem von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann oder Friedrich Merz. Und auch die „Bild“-Zeitung war sich nicht zu schade, dem österreichischen Kanzler ein paar schmachtende Zeilen zu widmen. „Warum haben wir nicht so einen?“, titelte das Blatt etwa 2017 zur Nationalratswahl. Zu recht wurde gleich die Frage hinterhergeschoben, was den „Wunderwuzzi“ eigentlich so besonders macht.

Die Antwort gibt die Zeitung direkt:Kurz ist charmant, Typ: Schwiegersohn. Immer freundlich, unaufgeregt, wirkt nie angestrengt.“ Dass dieser charmante „Wunderwuzzi“ das Land nun in eine Regierungskrise gestoßen hat, sorgt international für Aufsehen. Kurz und seiner Partei, der konservativen ÖVP, werden Bestechlichkeit und Korruption vorgeworfen. Sie sollen – mit Steuergeldern finanzierte – geschönte Umfragewerte über die österreichische Presse in Umlauf gebracht und die Berichterstattung beeinflusst haben. Politologin Sieglinde Rosenberger von der Universität Wien hat die aktuelle Lage in Österreich für den stern eingeschätzt.

Frau Professorin Rosenberger, in Österreich ist die Regierung zurzeit wegen Bestechlichkeit und Korruption in Bedrängnis. Jetzt plant die Opposition sogar ein Misstrauensvotum gegen Kanzler Sebastian Kurz. Wie soll es weitergehen?