Erkaufte Beliebtheit?
Der verwundete Wunderwuzzi: Wie Sebastian Kurz Österreich in die Staatskrise stürzen könnte

Causa Kurz: Doch kein Wunderknabe?

© HERBERT NEUBAUER/ / Picture Alliance

Lange galt Österreichs Kanzler Sebastian Kurz als Posterboy der neuen Konservativen. Nun wurden die Büros seiner engsten Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Untreue und Beihilfe zur Bestechlichkeit durchsucht.

Markus Huber

Es war Mittwochabend kurz nach 22 Uhr als sich Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz tatsächlich für ein Live-Interview in Österreichs wichtigste Nachrichtensendung im ORF setzte, um über die Vorwürfe des Tages zu sprechen. Das war an sich schon ein ungewöhnlicher Move. Noch ungewöhnlicher war allerdings, dass Kurz in diesem Fernsehauftritt keine überzeugende Geschichte zu erzählen hatte, sondern nicht viel mehr tat, als die Vorwürfe, die im Lauf des Tages erhoben wurden, zu bestreiten.

Alles Fake, alles eine böse Kampagne der Staatsanwaltschaft, die ihn weghaben wollte, sagte Kurz im Interview. Wirklich gut sah er dabei aber nicht aus, immer wieder kippte ihm die Stimme. Kurz, der sonst vor allem in Krisenzeiten zu Hochform auflief, wirkte seltsam fahrig, fast unsicher. „Ich glaube, das war keine gute Idee, in die ZiB2 zu gehen. Zu früh, zu wenig klare Lage, zu vieles nicht einfach erklärbar, kein Auftritt für einen Kanzler“, kommentierte ein ehemaliger sozialdemokratischer Kanzlersprecher den Auftritt auf Twitter. 

Und der Mann hatte nicht ganz unrecht. Gerade einmal 14 Stunden war es zum Zeitpunkt des Fernsehinterviews her, dass Ermittler der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft die ÖVP-Parteizentrale, einige Büros im Kanzleramt sowie im ÖVP-geführten Finanzministerium gefilzt hatten. Die Razzia richtete sich gegen das engste Umfeld von Sebastian Kurz: seinen Chef-Berater, seinen Medienstrategen und seinen aktuellen Pressesprecher.