Jedes Jahr ist es dasselbe Prozedere: Um 13.00 Uhr öffnet sich eine schwere Tür im Börsenhaus in der Stockholmer Altstadt Gamla Stan und der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, verliest den Namen der Preisträgerin oder des Preisträgers der weltweit renommiertesten Auszeichnung für Literatur. Dieses Jahr ist es der tansanische Schriftsteller Abdulrazak Gurnah.

Er erhält den Preis „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen  der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“, wie Mats Malm erläuterte.

Strenge Geheimhaltung, viel Spekulation

Die Namen der Nominierten werden traditionell 50 Jahre lang geheim gehalten, doch im Vorfeld verdichten sich die Spekulationen der Experten und Wettbüros auf einen kleinen Kreis einflussreicher Autorinnen und Autoren. In den letzten Jahren wurde immer wieder die Kanadierin Margaret Atwood (u.a. „Der Report der Magd“) als potenzielle Preisträgerin gehandelt, neben ihrer Landsfrau Anne Carson.

Auch der Japaner Haruki Murakami, der Kenianer Ngugi wa Thiong’o sowie die Russin Ljudmila Ulitzkaja und Maryse Condé aus dem französischen Überseegebiet Guadeloupe erscheinen immer wieder in der engen Auswahl. Zuletzt kamen der Rumäne Mircea Cartarescu und die Französin Annie Ernaux dazu. Im vergangenen Jahr sorgte die Akademie für eine Überraschung mit ihrer Entscheidung für die US-amerikanische Lyrikerin Louise Glück. 

Keine deutschen Autoren unter den Favoriten

Als bislang letzter deutschsprachiger Autor bekam der Österreicher Peter Handke 2019 die Auszeichnung verliehen, zuvor ging sie an Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004), Günter Grass (1999), Heinrich Böll (1972), Hermann Hesse (1946) oder Thomas Mann (1929). Während der Literaturnobelpreis nur eine herausragende literarische Persönlichkeit auszeichnet, werden die wissenschaftlichen Nobelpreise häufig an zwei oder drei Preisträgerinnen und Preisträger…