Britische Unternehmer enttäuscht von Johnson

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, gestikuliert während seiner Grundsatzrede auf dem Parteitag der Konservativen. Foto: Jon Super/AP/dpa

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Boris Johnson zeichnet seine große Utopie für die britische Wirtschaft. Doch in der Realität türmen sich die Probleme. Die Unternehmer im Land sind frustrierts.

Vergossene Milch, leergepumpte Tankstellen, Schweine, die für die Mülltonne getötet werden: Zurück aus der jubelnden Parteitagsblase holen den britischen Premier Boris Johnson die Probleme seines Landes – etwa die enormen Versorgungsengpässe und der sich zuspitzende Arbeitskräftemangel – mit voller Wucht ein.

«Wir wollen unseren Leuten so viel zahlen wie möglich, aber Unternehmen sind kein endloser Schwamm, der unendlich viele Kosten aufsaugen kann», schimpfte etwa der Chef der Supermarktkette Iceland, Richard Walker, am Donnerstag in der «Times». Johnson hatte am Vortag in einer großen Rede die Wirtschaft aufgerufen, in höhere Löhne und bessere Bedingungen für britische Arbeitskräfte zu investieren.

«Die Wirtschaft wird als Buhmann dargestellt, aber das Problem ist viel größer», sagte Walker, der mittlerweile Zweifel daran hat, dass die Tories wirklich noch die Partei der Unternehmer sind. Im nächsten Jahr kämen gleich mehrere Kostensteigerungen auf Betriebe zu: «Wir werden höhere Energiepreise haben, weitere Lkw-Fahrer bezahlen müssen und weitere Verpackungskosten.» Das sei nicht alles auf einmal zu stemmen.

Auch Craig Beaumont von der Federation of Small Businesses, die kleinere britische Unternehmen als Verband vertritt, sagte dem Sender Times Radio, man fühle sich von den Tories nicht mehr berücksichtigt. Zurzeit sei die oppositionelle Labour-Partei die einzige mit konkreten Angeboten für kleine Unternehmen.