von Leonie Scheuble
06.10.2021, 06:05 Uhr

In vielen Tankstellen in Großbritannien fehlt das Benzin, in den Supermärkten bleiben die Regale leer. Doch Premier Boris Johnson vermeidet es hartnäckig die Krise als „britisches Problem“ zu sehen. Das könnte ihm selbst zum Verhängnis werden.

Die Lieferkrise in Großbritannien erhöht den innerpolitischen Druck auf Premierminister Boris Johnson. Kritiker geben der Regierung die Schuld, weil sie nach dem Brexit den Wegfall ausländischer Lkw-Fahrern nicht hatte kompensieren können. Johnson hingegen bestreitet, dass es sich beim Fahrermangel um eine Nachwirkung des Brexit handelt und spricht stattdessen von einem „globalen Problem“. 

Zwar gibt es auch in vielen anderen Ländern zu wenige Lastwagenfahrer, zur ganzen Wahrheit gehört allerdings, dass der Brexit das Problem in Großbritannien erheblich verschärft hat. Viele osteuropäische Fahrer, die während der Pandemie das Land verlassen hatten, konnten mit dem Ende der Freizügigkeit im Zuge des Brexits nicht ohne Weiteres zurückkehren. Trotz der sich zuspitzenden Lage vermeidet es Johnson tunlichst von einer „Krise“ zu sprechen. Auf die Frage von BBC Radio 4, ob er glaube, dass es eine Krise gebe, antwortete der Premierminister „nein“ und nannte es „das Erwachen eines Riesen“.

Militär hilft bei Sprit-Lieferungen aus

Die nackten Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Aktuell fehlen im Vereinigten Königreich Schätzungen zufolge rund 100.000 Lastwagenfahrer – und das hat erhebliche Konsequenzen. Viele Tankstellen sind nach wie vor geschlossen, weil Benzin und Diesel nicht transportiert werden können. Auch Supermärkte klagen über Fahrermangel zur Belieferung ihrer Filialen, Hamster- und Panikkäufe hatten in den letzten zwei Wochen zugenommen.

Seit Montag packt auch das britische Militär mit an. Etwa 200 Soldatinnen und…