Am 5. Oktober wird der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt mit dem Ovid-Preis für sein dichterisches Lebenswerk geehrt. Er werde den Preis „im Handumdrehen“ an die seit 2020 inhaftierte belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa weitergeben, hat der 84-Jährige angekündigt.

Kolesnikowa ist eines der bekanntesten Gesichter der belarussischen Protestbewegung und wurde Anfang September in Minsk zu elf Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Stellvertretend für die Oppositionspolitikerin wird daher ihre Anwältin Lyudmila Kazak den Preis in Empfang nehmen. Das Urteil erging fast ein Jahr nach Kolesnikowas Festnahme im Zuge der Proteste gegen Machthaber Lukaschenko und lautet auf versuchte illegale Machtergreifung. Die Bundesregierung hat wiederholt die Freilassung der früheren Stuttgarter Kulturmanagerin gefordert.

Die DW sprach mit Biermann über die Weitergabe des Ovid-Preises und über seine Sicht auf die Lage in Belarus. 

Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa ist seit 2020 im Gefängnis

„Inspirierende Ikone des Widerstandes“

DW: Herr Biermann, was hat Sie dazu bewegt, die Auszeichnung für Ihr Lebenswerk an Maria Kolesnikowa weiterzugeben?

Wolf Biermann: Maria Kolesnikowa ist eine inspirierende Ikone des Widerstandes gegen den Diktator in Weißrussland und zugleich ist sie ein kleiner schwacher Mensch, der in einer Zelle sitzt und den Schergen von Alexander Lukaschenko hilflos ausgeliefert ist.

Sie steckte in dem Dilemma wie auch ihre mutigen Freunde: Dableiben oder Weggehen, und hat sich dafür entschieden, den schwereren Weg zu gehen. Ich werde sie nicht retten können, aber ich will ihr beistehen. Wenn ich sie verteidige, verteidige ich auch uns alle, die an ein freies demokratisches Europa glauben. Auf die gute Idee, den Preis an Mariya Kolesnikowa weiter zu geben, hat mich übrigens der Historiker Ilko Sacha Kowalzcuk gebracht.

Wurde wegen seiner regimekritischen Texte 1976 aus der DDR…