Rund 216.000 Minderjährige sind zwischen 1950 und 2020 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Frankreichs geworden. Das teilte eine unabhängige Untersuchungskommission in Paris mit. Die Zahl der Opfer steige sogar auf 330.000, wenn man Angreifer hinzurechne, die als Laien in Einrichtungen der katholischen Kirche arbeiteten, etwa an katholischen Schulen oder bei Jugendbewegungen.

Man habe zwischen 2900 und 3200 potenzielle Täter ermittelt, so das Ergebnis einer unabhängigen Kommission, deren Gründung die französischen Bischöfe im November 2018 in Auftrag gegeben hatten. Dem Gremium gehören Juristen, Mediziner, Historiker und Theologen an.

Ein langer Weg der Aufarbeitung 

Der Vorsitzende der Untersuchungskommission, der frühere Richter Jean-Marc Sauvé, übergab öffentlich den rund 2500 Seiten umfassenden Abschlussbericht an die Vorsitzenden der Bischofskonferenz und der Konferenz der Ordensleute, Erzbischof Éric de Moulins-Beaufort von Reims und Schwester Véronique Margron.

Jean-Marc Sauvé, Vorsitzender der Untersuchungskommission, kritisiert die „systemische Vertuschung“ der Missbrauchsfälle durch Kirchenobere

„Diese Zahlen sind erschreckend und dürfen auf keinen Fall folgenlos bleiben“, sagte Sauvé. Die Opfer seien zu 80 Prozent Jungen gewesen, die meisten von ihnen seien zwischen zehn und 13 Jahre alt gewesen. Der Vorsitzende der Untersuchungskommission Sauvé sprach von „systemischer Vertuschung“ durch Kirchenobere. Das kirchliche Prinzip des Gehorsams und die Ausnutzung von Charisma gegenüber Gläubigen hätten Sexualverbrechen durch Geistliche massiv begünstigt. Die Zahl der Übergriffe sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. „Aber man muss sich von der Idee verabschieden, dass das Problem beseitigt ist. Das Problem besteht fort“, betonte er.

Eine Schande für die Menschlichkeit

Bei der Präsentation des Abschlussberichts dankte das Missbrauchsopfer François Devaux, Gründer der Vereinigung La Parole Libérée, der…