von David Baum
05.10.2021, 18:01 Uhr

Kann künstliche Intelligenz auch Kunst? Ein gewagtes Beethoven-Projekt versucht den Beweis zu erbringen. Nach über hundert Jahren wagt man es, mit künstlicher Intelligenz die 10. Sinfonie zu einem Abschluss zu bringen.

Und so schien es, als wäre das Beethoven-Jahr 2020 ohne besonderen Nachhall verstrichen. Wie bei Jubeljahren großer Persönlichkeiten üblich, hatte der Künstler Ottmar Hörl Gartenzwergversionen des Jahrhundertkomponisten auf einem Platz installiert, die zahlreichen Festakte und Konzerte trotzten mit digitalen Umsetzungen der Pandemie, und so war schnell das passende Narrativ für das Festival unter Notbedingungen gefunden: Der „radikale Künstler“ habe sein Genie zu Lebzeiten schließlich auch gegen Widerstände behaupten müssen. Nun also auch noch gegen Corona.

+++ Reinhören: Die Uraufführung der neuen Komposition können Sie hier im Livestream verfolgen – am 9. Oktober um 19 Uhr +++

Zehn Monate nach dem 250. Geburtstag des bis heute meistgespielten klassischen Komponisten bekommt der alte „Ludwig van“ doch noch seinen ganz großen Auftritt: Per Computertechnologie soll seine nur in Skizzen überlieferte 10. Sinfonie fertiggestellt werden. Die viel beschworene „künstliche Intelligenz“ möge das Genie Beethovens im 21. Jahrhundert posthum illuminieren. Seinen Anfang hatte das Projekt genommen, als der Musikwissenschaftler und Digitalexperte Matthias Röder auf einem Führungskräfte-Event der Deutschen Telekom 2017 über sein Leib- und Magenthema „Die Digitalisierung der klassischen Musik“ referierte und auf begeistertes Interesse stieß. „Ein Jahr später erreichte mich die Anfrage, ob ich bereit sei, das Ganze in die Tat umzusetzen und die Zehnte mithilfe von KI fertigzustellen“, sagt Röder, der in Salzburg das „Karajan-Institut“ zu Ehren des gleichnamigen Stardirigenten leitet. Mit einem Team aus Wissenschaftlern…