60 Jahre
Türkei-Anwerbeabkommen: Steinmeier warnt vor Hochmut

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) und seine Frau Elke Büdenbender (2.v.l.) beim Festakt zum 60-jährigen Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei im Haus der Kulturen der Welt. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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Das Dokument, das die deutsche Gesellschaft und das Leben vieler Menschen aus der Türkei verändert hat, hat nur zwei Seiten. Ein Blick ins Jahr 1961 weckt schöne und traurige Erinnerungen.

Die Leistungen und Erfahrungen der sogenannten Gastarbeitergeneration sollten nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Zukunft stärker gewürdigt werden.

Diese von Optimismus, Mut und Durchhaltewillen geprägten Geschichten sollten «einen angemessenen Raum in unseren Schulbüchern und in unserer Erinnerungskultur» erhalten, sagte er am Dienstag in Berlin bei einem Festakt zum 60. Jahrestag der Vereinbarung, mit der einst die Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland organisiert worden war. «Nehmen Sie sich den Platz, der Ihnen zusteht», forderte der Bundespräsident die Besucher der Festveranstaltung auf.

Die deutsche Gesellschaft sei viel zu spät bereit gewesen, ihre Sicht auf die ursprünglich nur als Zuwanderer-auf-Zeit angesehenen Menschen zu ändern, von denen viele dann doch dauerhaft blieben, sagte Steinmeier. «Vieles ist dadurch liegengeblieben, und ich glaube, durch das Liegenbleiben sind viele Probleme überhaupt erst entstanden», sagte Steinmeier.

Denn Anerkennung, der Respekt voreinander und Neugier auf eine andere Kultur auf beiden Seiten seien nötig, um Vorbehalte oder gar Ängste
zu überwinden. Er fügte hinzu: «Die Bereitschaft, engstirnigen Nationalismus und kulturellen Hochmut hinter sich zu lassen, auf andere zuzugehen, sich aufeinander einzulassen, voneinander zu lernen, das ist die beste…