Medizin
Nobelpreis – Warum wir Wärme und Berührung fühlen können

Nobelkomiteemitglied Patrik Ernfors (r) erläutert den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2021 während einer Pressekonferenz im Karolinska-Institut in Stockholm. Foto: Jessica Gow/TT NEWS AGENCY via AP/dpa

© dpa-infocom GmbH

Viel Fleiß steckt im diesjährigen Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. «Der größte Teil unserer Arbeit ist Scheitern», sagte einer der beiden Preisträger einmal. Auch Geduld ist gefragt.

Sonne auf der Haut, kalter Regen, ein inniger Kuss, Druck auf der Blase: Spezielle Nervenzellen sorgen nicht nur dafür, dass wir äußere Einwirkungen auf den Körper fühlen können, sondern auch Teile unserer Innenwelt.

Diese fundamentalen Prozesse können angenehm sein, aber auch schmerzhaft. Zelluläre Grundlagen der Wahrnehmung von Temperatur und Druck haben David Julius von der University of California in San Francisco und Ardem Patapoutian von Scripps Research in La Jolla entschlüsselt. Zeitweise ähnelte ihre Forschung der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Und eine entscheidende Rolle für die Entdeckung der Temperatursensoren spielte der für die Schärfe von Chili-Schoten verantwortliche Stoff Capsaicin.

Dass spezialisierte Nervenzellen für die Wahrnehmung unserer Umwelt sorgen, war bereits lange bekannt. Und für den Geruchssinn und das Sehen waren die Mechanismen in solchen Zellen auch schon geklärt – nicht aber für das Empfinden vom Temperatur und Druck. «Wie wir diese physischen Kräfte fühlen und wie sie in eine Sprache übersetzt werden, die wir verstehen können, war lange eine Geheimnis», erklärte Patapoutian einmal.

Grundlage solcher Mechanismen sind winzige Ionenkanäle – spezielle Proteine auf der Oberfläche von Zellen, die sich je nach Reiz entweder öffnen oder schließen. Für das Ermitteln des Temperatursensors nutzte Julius…