Im Schatten des Tigray-Konflikts und wachsender Unruhen in Teilen des Landes hat der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed seine neue Amtszeit angetreten. Der Oberste Richter des Landes vereidigte Abiy in der Hauptstadt Addis Abeba. Die Wahl des Ministerpräsidenten folgte einer im Juli von den größten Oppositionsparteien boykottierten Parlamentswahl, die Abiys Partei mit einem überwältigenden Sieg gewann.

Von Wahlbeobachtern kritisiert, von Oppositionellen boykottiert: Auch dieses Jahr waren die Parlamentswahlen in Äthiopien umstritten.

Abiy war 2018 mit dem Versprechen einer Demokratisierung erstmals ins Amt gekommen. Damals löste er nach jahrelangen Massenprotesten die bis dahin regierende Koalition unter Führung der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) ab. Seitdem hat Abiys Wohlstandspartei PP in mehreren Wahlen große Siege gefeiert. Wahlbeobachter beklagten allerdings wiederholt, dass internationale Standards für faire Wahlen dabei weit unterschritten worden seien. In diesem Jahr boykottierten einige Oppositionsparteien, vor allem in Abiys Heimatregion Oromia, die Abstimmungen und beklagten, dass ihre Kandidaten verhaftet und ihre Büros verwüstet worden seien. In der Unruhe-Region Tigray wurde nicht gewählt, und die Wahlen zu 83 weiteren Parlamentssitzen auf Bundesebene mussten aufgrund von Sicherheits- oder logistischen Problemen verschoben werden.

Vom gefeierten Friedensstifter zum kritisierten Krisenverschärfer

Nach seinem Amtsantritt war Abiy für seine politischen und gesellschaftlichen Reformen gelobt und für die Annäherung mit dem Nachbarland Eritrea im Jahr 2019 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Jedoch steht Abiy wegen seines Vorgehens in der Krisenregion Tigray und seiner zunehmend autoritären Führung zunehmend in der Kritik.

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