Es kommt in sehr vielen Ländern vor – ob heute in Belarus, China, der Türkei, im Iran oder in Eritrea, ob früher im nationalsozialistischen Deutschland oder im kommunistischen Ostblock: Wenn Herrschende die Meinungsfreiheit unterdrücken, werden Autorinnen und Autoren verfolgt, inhaftiert und nicht selten genug auch ermordet. Dagegen bäumt sich seit inzwischen einem Jahrhundert die internationale Schriftstellervereingung PEN auf. „100 Jahre PEN“, sagt Regula Venske, Präsidentin des deutschen PEN-Zentrums, ″ist sowohl ein Anlass zu feiern, als auch innezuhalten, zu gedenken und zu trauern.“

Deutschlands PEN-Präsidentin Regula Venske

Viele tapfere Frauen und Männer bezahlten ihr Menschenrecht mit dem Leben, so Venske. Noch immer würden Schreibende weltweit verfolgt und bräuchten Unterstützung. ″Das Wort ist die Waffe, die die Herrschenden in autoritären Regimen weltweit am meisten fürchten“, sagt Venske im DW-Interview. ″Die ersten, die immer verhaftet werden, sind die Schriftstellerinnen und Schriftsteller und die Journalistinnen und Journalisten.“ In Deutschland, wo es friedlicher zugehe, so Venske, sei die Literatur etwas in die „Unterhaltungsecke gerutscht“, also eher Zeitvertreib am Feierabend. ″Aber das Wort ist elementar für Dinge wie Freiheit, Wahrheit, das menschliche Zusammenleben überhaupt. Das ist das, was es ausmacht.“

Stimme verfolgter Autorinnen und Autoren

PEN, die Abkürzung steht für ″Poets, Playwrights, Essayists, Editors,
Novelists“, also für Dichter, Dramatiker, Essayisten, Redakteure und Romanciers. 1921 in England zunächst als literarischer Freundeskreis gegründet, breitete sich der PEN bald über den ganzen Globus aus, vor allem als Stimme verfolgter und unterdrückter Autoren.

Es war eine mutige Frau, die vor 100 Jahren die Initiative ergriff: Die englische Schriftstellerin Catherine Amy Dawson Scott versammelte am 5. Oktober 1921, einem Dienstag, mindestens 40 Gleichgesinnte zum Gründungsdinner in einem Londoner…