Regierungskritische Kundgebungen wurden aus mindestens 20 der 26 Bundesstaaten gemeldet, berichtete das Nachrichtenportal „G1“. Von Seiten der Organisatoren hieß es, Demonstrationen habe es in rund 200 Städten gegeben.

Zwischen dem Amazonas-Bundesstaat Roraima im Norden, wo viele Indigene leben, und dem von deutschen Einwanderern geprägten Rio Grande do Sul forderten die Demonstranten unter anderem die Amtsenthebung von Präsident Jair Bolsonaro, mehr Impfstoffe gegen das Coronavirus und Arbeitsplätze in Zeiten der Pandemie. Zu sehen waren Banner und Transparente mit Aufschriften wie „Bolsonaro raus“ und „Bolsonaro Völkermörder“.

„Völkermörder“ steht auf Plakaten mit dem Konterfei von Präsident Bolsonaro bei der Kundgebung in Rio de Janeiro

Allianz gegen Bolsonaro

Zu den Protesten aufgerufen hatten soziale Bewegungen und Gewerkschaften im Rahmen ihrer landesweiten Kampagne gegen Bolsonaro. Rund 20 Parteien, unter anderem die linke Arbeiterpartei PT und die konservativen PSDB und DEM beteiligten sich laut „G1“ an den Demonstrationen, sodass Beobachter diese auch als Test für die Allianz gegen Bolsonaro werteten.

In Rio de Janeiro nahm der mögliche Präsidentschaftskandidat Ciro Gomes an einer Kundgebung teil. Später wollte er lokalen Medien zufolge auch noch auf einer Demonstration in São Paulo erscheinen.

Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva

Lula hält sich zurück

Der frühere brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der vermutlich schärfste Kontrahent Bolsonaros im Rennen um die Präsidentschaft bei der Wahl im kommenden Jahr, zeigte sich auf keiner der Protestveranstaltungen. Lula liegt einer Umfrage des Datafolho-Instituts von Mitte September in der Wählergunst deutlich vorn: 44 Prozent der Befragten würden ihm ihre Stimme gegen, während Amtsinhaber Bolsonaro nur auf 26 Prozent kommt.

Ebenfalls in der Kritik vieler Brasilianerinnen und Brasilianer steht der Präsident der Abgeordnetenkammer, Arthur Lira. Die Demonstranten bezeichneten…