Der französische Geschäftsmann und einstige Adidas-Besitzer Bernard Tapie ist tot. Er starb am Morgen im Alter von 78 Jahren an einer Krebserkrankung, wie seine Familie der Zeitung „La Provence“ sagte. Einer seiner Söhne bestätigte den Tod auf Instagram mit der kurzen Nachricht: „Auf Wiedersehen, mein Phönix“. Tapie litt bereits seit Jahren an Krebs, in den vergangenen Monaten hatte sich sein Zustand deutlich verschlechtert.

Tapie feiert 1993 mit den Spielern von Olympique Marseille den Gewinn des Europapokals der Landesmeister

Tapie war ein schillernder und in Frankreich höchst umstrittener Manager und Ex-Politiker. Nach großen Erfolgen als Chef des Radsportteams La Vie Claire übernahm Tapie 1985 Olympique Marseille und führte den Fußball-Traditionsclub aus einer jahrelangen Krise in eine Hochphase. Mit ihm als Präsident gewann Olympique Marseille vier Meisterschaften (1989-1992), 1993 als bis heute einziger Verein Frankreichs auch die Champions League. 

Acht Monate Gefängnis

Nach dem Gewinn des fünften Liga-Titels in Folge kam 1993 heraus, dass Funktionäre vor dem Spiel gegen Valenciennes Schmiergelder gezahlt hatten. Der Titel wurde aberkannt, Olympique Marseille 1994 in die 2. Liga strafversetzt. 1995 Jahre erhielt Tapie eine achtmonatige Haftstrafe unter anderem wegen Bestechung und Unterschlagung. Schon zuvor hatte er Privatinsolvenz anmelden müssen.

Tapie 1992 mit einem Schuh des Sportartikelherstellers Adidas, dessen Aktienmehrheit er zwei Jahre zuvor erworben hatte

Unter dem sozialistischen Präsidenten François Mitterrand war Tapie in den 1990er Jahren Minister für Städtebau. In Deutschland war er vor allem als ehemaliger Adidas-Besitzer bekannt. Der Verkauf seiner Anteile an dem deutschen Sportartikelhersteller beschäftigte jahrelang Gerichte. Im Juli 2019 wurde er in der Adidas-Affäre vom Vorwurf des Betrugs und der Hinterziehung öffentlicher Gelder freigesprochen. Der studierte Ingenieur war auch als Schauspieler tätig.