In der katholischen Kirche in Frankreich hat es laut einer Untersuchung seit 1950 zwischen 2900 und 3200 Missbrauchstäter gegeben – Priester, Ordensleute und andere kirchliche Mitarbeiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine unabhängige Kommission, deren Gründung die französischen Bischöfe vor drei Jahren in Auftrag gegeben hatten. Das Gremium, dem Juristen, Mediziner, Historiker und Theologen angehören, werteten Archive in Kirche, Justiz und Medien aus, aber auch Zeugenaussagen. Der rund 2500 Seiten umfassende Abschlussbericht soll am Dienstag übergeben werden.

Das Ausmaß der Sexualverbrechen im kirchlichen Umfeld sei „größer als befürchtet“, hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Eric de Moulins-Beaufort, unlängst erklärt. Nun gehe es darum, die Aufarbeitung weiter voranzutreiben. Die Kirche erwäge etwa, eine unabhängige Stelle zur Bewertung von Präventionsmaßnahmen einzurichten, sagte der Erzbischof von Reims der Zeitung „La Croix“. Auch der Abschlussbericht der Untersuchungskommission soll durch Empfehlungen zur Missbrauchsvorbeugung ergänzt werden.

„Verstehen, warum die Tragödien geschehen konnten“

De Moulins-Beaufort bat die Opfer erneut um Vergebung dafür, dass die Kirche auf verschiedenen Verantwortungsebenen versagt habe. Aufgabe der Kommission war es, „zu verstehen, warum diese Tragödien geschehen konnten“ und wie die Fälle behandelt wurden. Leiter des Gremiums ist der frühere stellvertretende Vorsitzende des französischen Staatsrats, Jean-Marc Sauvé. Er war im Sommer 2020 noch von rund 1500 kirchlichen Missbrauchstätern ausgegangen. Im Laufe der weiteren Arbeit stellte sich jedoch heraus, dass diese Zahl doppelt so hoch angesetzt werden muss.

„Kirche hat versagt“: Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort (Archivbild)

Die katholische Kirche sieht sich nicht allein in Frankreich, sondern auch in anderen Ländern dem Vorwurf gegenüber, sexuelle Gewalt gegen Minderjährige im kirchlichen Umfeld strukturell begünstigt oder unzureichend…