von Horst von Buttlar
02.10.2021, 13:48 Uhr

Die CDU klammert sich an die Fiktion des Regierenkönnens, weil sie noch nicht mal weiß, worüber sie sich den Kopf zerbrechen soll. Es ist ein kraftloses, kümmerliches Gefühl des Nochgebrauchtwerden.

Irgendwann in diesem aufregenden, langweiligen und vor allem viel zu kalten Sommer stand ich unten im Konrad-Adenauer-Haus und wartete auf einen Termin. Vorne ist ein Café, und während ich an dem Kaffeeautomaten stand, sah ich einen Mitarbeiter, der auf seinem Laptop gerade die Entwürfe für die CDU-Kampagne durchging.

„Mehr Gemeinsamzeit“ stand auf einem Entwurf, der später auch ein Plakat wurde: Ein Vater mit seinem Sohn, sie machen etwas zusammen, aber man erkennt nicht genau was; man sieht einen Fahrradreifen, Blumen und auf den ersten Blick auch eine Karotte. Es schien aber auch egal – Vater, Sohn, Fahrrad, Blumen, Gemüse, es war eine dieser weichgezeichneten, künstlichen Idyllen, in denen Menschen angeblich leben. Es ging nur um die Botschaft, dass man etwas gemeinsam macht. Weil die Kernbotschaft der Union ja sein sollte, dass man „Deutschland gemeinsam“ macht.

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Wie unklar und hohl dieses Versprechen war, hat die Union nun leidlich erfahren, ich spürte es aber schon bei diesem Plakat: Was genau wollte die CDU mir versprechen? Dass ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen könnte? Und wenn ja: wie? Oder warb sie nur damit, dass sie auch modern ist, dass sie solche Väter gut findet, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, um Fahrradreifen in Blühwiesen zu flicken?

Nun sind Wahlplakate in der Regel inhaltsleer und platt, bei der CDU aber war es nahezu…