DW: Herr Deußer, Sie haben sich mit dem Sieg beim CHIO in Aachen einen großen sportlichen Traum erfüllt und das anschließend mit dem Wort: „Endlich!“ kommentiert. Wann haben Sie wirklich realisiert, was Ihnen da gelungen ist?

Daniel Deußer: Das war in den darauf folgenden Tagen, weil ich immer wieder Anrufe von echten Legenden des Reitsports bekommen habe, die den Großen Preis von Aachen vor 20, 30 oder 40 Jahren auch schon gewonnen haben. Nelson Pessoa, Franke Sloothaak, Thomas Frühmann oder Hugo Simon – solche Namen hatte ich hinterher am Telefon und sie haben mir gratuliert. Da ist mir dann doch langsam bewusst geworden, was eigentlich passiert war. Natürlich hat man sich auch in Aachen schon gefreut und gefeiert, aber wenn ich das vergleiche mit anderen großen Preisen, die ich in meinem Leben schon gewonnen habe, da gab es diese Reaktionen nicht.

Nicht nach Wunsch lief es für Sie dagegen zuvor bei den Olympischen Spielen in Tokio. Im Einzel waren sie am Ende 18., auch mit dem Team ist nicht der gewünschte Erfolg gelungen. Was hat in Tokio nicht gepasst?

Es ist immer ein Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd und wir waren uns einfach nicht so einig in Tokio. Der erste Tag lief gut, am Ende des Finalspringens hatte ich dann aber zwei Fehler. Killer Queen war gut in Form, aber die Abstimmung zwischen uns war nicht so, wie sie hätte sein sollen. Leider können wir mit den Pferden nicht sprechen und müssen daher herausfühlen, in welcher Situation sich das Pferd am besten fühlt oder wie man ans Hindernis kommen muss, um den besten Sprung zu erzielen. Es sind Kleinigkeiten, die man nur schwer erklären kann. Aber wenn das Zusammenspiel nicht funktioniert, kommt natürlich auch der eine oder andere Fehler zustande.

Würden Sie – vom Sportlichen mal abgesehen – sagen, es waren trotzdem schöne Olympische Spiele?

Nein, es waren schreckliche Spiele. Mit der ganzen Corona-Situation, in dem Moment in Tokio zu sein, mit der Quarantäne, das war absolut kein Vergnügen….