Ehemalige Sekretärin im KZ Stutthof
Angeklagte 96-Jährige in NS-Prozess flüchtete – und sitzt „bis auf weiteres“ in U-Haft

Ein ziviles Polizeifahrzeug bringt die 96 Jahre alte Angeklagte zu einem Haftprüfungstermin an einen Nebeneingang des Landgerichts Itzehoe

© Markus Scholz / DPA

Das Landgericht Itzehoe hatte über Monate den womöglich letzten NS-Prozess in Deutschland vorbereitet. Doch die hoch betagte Angeklagte floh – und muss jetzt die Konsequenzen tragen.

Der Prozess in Itzehoe um eine ehemalige Sekretärin im KZ Stutthof hat eine Menge Wirbel ausgelöst, bevor er überhaupt beginnen konnte. In dem womöglich letzten NS-Verfahren in Deutschland hat das Landgericht Itzehoe Untersuchungshaft für die 96 Jahre alte Angeklagte angeordnet.

Damit reagierte die Strafkammer auf den Versuch der ehemaligen Sekretärin im KZ Stutthof, sich dem Verfahren zu entziehen. „Das Gericht hat der Angeklagten den Haftbefehl verkündet. Sie wird nun in die Untersuchungshaftanstalt verbracht“, teilte Gerichtssprecherin Frederike Milhoffer noch am Donnerstag mit. Die Haft sei „bis auf weiteres“ angeordnet worden. Wegen der Abwesenheit der Angeklagten zu Beginn des Verfahrens am Donnerstag Vormittag hatte die Strafkammer den Prozess bis zum 19. Oktober unterbrochen.

„Bis auf weiteres“ in Untersuchungshaft

Auch am Freitag war die Frau noch in Untersuchungshaft, wie eine Gerichtssprecherin dem stern bestätigte. „Sie ist bis auf weiteres in einer JVA“, sagte die Sprecherin. Das Gericht habe sich zuvor mit Hilfe des zuständigen Arztes von der Hafttauglichkeit überzeugt. In welcher Justizvollzugsanstalt sich die 96-Jährige befindet, sagte die Sprecherin nicht. Es sei gut möglich, dass sie sich auch noch bei Prozessbeginn in der Untersuchungshaft befinde.

Der Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen vorgeworfen. Als…