Ehemalige KZ-Sekretärin
Prozess um KZ Stutthof kann nicht starten – 96-Jährige taucht unter

Das ehemalige KZ Stutthof, fotografiert im Mai 1946. An dem Ort im heutigen Polen, etwa 34 Kilometer östlich von Danzig, befindet sich heute eine Gedenkstätte

© Miko³aj Sprudin/ / Picture Alliance

In Itzehoe sollte ab heute eine ehemalige Sekretärin des KZ Stutthof vor Gericht stehen. Doch jetzt wird die 96-Jährige per Haftbefehl gesucht. Sie ist auf der Flucht.

Welche Schuld hat eine damalige junge Frau an Tausenden Nazi-Verbrechen im KZ Stutthof? Wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen sollte sich ab diesem Donnerstag eine ehemalige KZ-Sekretärin vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Es könnte der letzte Prozess in Deutschland um Verbrechen in der Nazizeit sein. 

Doch die heute 96-Jährige ist flüchtig. Das Landgericht habe einen Haftbefehl erlassen, sagte der Vorsitzende Richter Dominik Groß am Donnerstag. Es bleibe abzuwarten, ob man ihrer habhaft werde. Die geplante Hauptverhandlung könnte dann erst nach Verkündung des Haftbefehls und Prüfung ihrer Verhandlungsfähigkeit beginnen.

Irmgard F. arbeitete von Juni 1943 bis April 1945 in der Kommandantur des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig. Ihr wird zur Last gelegt, als Stenotypistin und Schreibkraft den Verantwortlichen des Lagers bei der systematischen Tötung von Gefangenen Hilfe geleistet zu haben. Ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Gutachten war im Juni zu dem Ergebnis gekommen, dass die hochbetagte Frau verhandlungsfähig ist, nun muss die Prüfung offenbar erneut vorgenommen werden.

Vor der Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe sollte eigentlich an diesem Donnerstag der Prozess gegen eine ehemalige Sekretärin des KZ Stutthof beginnen

In Deutschland gab es zuletzt bereits mehrere Prozesse gegen frühere Mitglieder…