Hunderttausende Menschen aus der Türkei hätten mitgeholfen, die Wirtschaft in einer dynamischen Zeit aufzubauen, als Arbeitskräfte in Deutschland fehlten, sagte Frank-Walter Steinmeier in Mülheim. Die Zuwanderer und deren Nachkommen hätten die Bundesrepublik „vielfältiger und offener“ gemacht, „dazu auch wirtschaftlich stärker“, so der Bundespräsident bei dem Besuch im Ruhrgebiet. Nach seinen Worten ist Deutschland „über die Jahre ein Land mit Migrationshintergrund geworden“.

Seit den 1950er Jahren hatte die Bundesregierung mit mehreren Staaten, darunter Italien, Spanien und Griechenland, Anwerbeabkommen geschlossen, um den Bedarf an Arbeitskräften während des sogenannten Wirtschaftswunders zu decken. 1961 folgte der Vertrag mit der Türkei, Ende 1973 dann ein Anwerbestopp. Zu diesem Zeitpunkt lebte fast ein Drittel der bundesweit etwa vier Millionen „Gastarbeiter“ in Nordrhein-Westfalen, viele von ihnen im Ruhrgebiet, dessen Wirtschaftskraft damals von der Kohle- und Stahlindustrie getragen war.

Steinmeier und seine Frau schauen zu, wie ein Kranhaken gegossen wird

Diese Region sei „wie kaum eine andere durch Zuwanderung geprägt“, sagte Steinmeier, der mit seiner Frau Elke Büdenbender zunächst die Stahlgussfabrik Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mülheim besichtigte, in der 45 Prozent der Belegschaft einen Migrationshintergrund haben. Viele sind Nachfahren der „Gastarbeiter“ in zweiter oder dritter Generation. „Die Arbeit war über lange Zeit der große Integrationsfaktor“, stellte der Bundespräsident im Dialog mit Geschäftsführung und Mitarbeitern fest.

Tausende Motive aus Arbeits- und Privatleben

Im Anschluss reiste Steinmeier nach Essen weiter, wo er im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein eine Ausstellung des türkischen Fotografen Ergun Çagatay besuchte, der 2018 starb. Die Aufnahmen zeigen Angehörige der ersten und zweiten Einwanderergeneration. Çagatay hatte 1990 mehrere Städte in Deutschland besucht und Tausende Fotografien in Arbeitswelt und Privatleben…