In einem Musterverfahren verklagen die betroffene brasilianische Gemeinde und die Familie eines der Todesopfer den TÜV Süd auf Entschädigung. Denn dessen brasilianische Tochterfirma hatte dem Bergbaukonzern Vale die Sicherheit des Damms ein halbes Jahr vor dem Unglück vom 25. Januar 2019 bescheinigt. Nach dem Bruch des Staudamms an einem Rückhaltebecken der Vale-Eisenerzmine hatte sich eine gewaltige giftige Schlammlawine ins Tal ergossen, 270 Menschen unter sich begraben und die Region nachhaltig verseucht.

Feuerwehrleute suchen am 25. Januar 2019 in der Schlammlawine nach Überlebenden und Opfern

Die Gemeinde Brumadinho und die Familie einer dabei ums Leben gekommenen Ingenieurin beschränken den Streitwert in dem Musterprozess auf rund 400.000 Euro, um Kosten zu sparen. Zunächst soll das Gericht feststellen, ob überhaupt ein Anspruch besteht. Die Höhe solle dann gegebenenfalls in einem zweiten Schritt geklärt werden, so Kläger-Anwalt Jan Erik Spangenberg. Zusammen mit der brasilianisch-britisch-US-amerikanischen Kanzlei PGMBM vertrete er aber 1200 Geschädigte und hoffe letztendlich auf Entschädigungen im dreistelligen Millionenbereich.

Ein Mann vor den Trümmern seines Hauses (Archivbild)

Der TÜV Süd wehrt sich gegen die Forderungen. Die Stabilitätserklärung habe den brasilianischen Standards entsprochen. „Der Betreiber ist für die Mine und zugehörige Dämme verantwortlich und haftet für sämtliche Schäden aus dem Betrieb des Damms“, teilte der TÜV Süd vor Prozessbeginn mit.

Der giftige Schlamm muss vom Körper runter (Archivbild)

Vale hat im Februar in einem gerichtlichen Vergleich mit dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais umgerechnet fast sechs Milliarden Euro Entschädigung zugesagt. Etwa ein Drittel der Summe soll nach Angaben der brasilianischen Behörden der Gemeinde Brumadinho und der Bevölkerung dort zugutekommen. „Auch die Kläger des vorliegenden Verfahrens werden bereits umfassend von Vale entschädigt“, gab der TÜV Süd…