Ungeachtet aller Appelle und Verbote hat Nordkorea wohl einen weiteren Raketentest vorgenommen: Die Armee habe ein „unbekanntes Projektil“ ins Meer vor der nordkoreanischen Ostküste abgefeuert, teilte Südkoreas Generalstab mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Ein Sprecher des japanischen Verteidigungsministeriums sagte, es habe sich anscheinend um eine ballistische Rakete gehandelt.

Bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen beharrte der nordkoreanische Gesandte auf das Recht seines Landes, entsprechende Tests vorzunehmen. „Niemand kann uns das Recht auf legitime Verteidigung verweigern“, sagte Botschafter Kim Song in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung in New York. Nordkorea baue seine Verteidigungsfähigkeiten aus, „um die Sicherheit und den Frieden des Landes zuverlässig zu gewährleisten“.

„Provokation“ gegen „feindliche Politik“

Der international weitgehend isolierte Staat in Ostasien ist wegen seines Atom- und Raketenprogramms harten internationalen Sanktionen unterworfen. Erst Mitte September hatte die kommunistische Führung zwei Raketentests vorgenommen, was Südkoreas Präsident Moon Jae In als „Provokation“ bezeichnete.

Der nordkoreanische Raketentest Mitte September – illustriert auf einen Bildschirm in Tokio

Kürzlich signalisierte die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un allerdings die Bereitschaft ihres Landes zu einem interkoreanischen Gipfeltreffen. Voraussetzung dafür seien „Respekt“ und „Unvoreingenommenheit“, betonte Kim Yo Jong. Sie brachte auch Gespräche über eine Beendigung des Kriegszustands ins Spiel. Zuvor hatte sie die Regierung in Seoul aufgefordert, ihre „feindliche Politik“ gegenüber Nordkorea einzustellen.

Nach dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 war lediglich ein Waffenstillstand geschlossen worden, so dass sich die beiden koreanischen Staaten offiziell noch immer im Kriegszustand befinden.

wa/fab (afp, dpa)