von Horst von Buttlar
28.09.2021, 11:52 Uhr

FDP und Grüne sind beide Wahlgewinner. In vielen Ideen, Visionen und im Habitus trennen sie Welten. Doch sie haben eine gemeinsame Idee: Sie wollen Geld für Investitionen lockermachen – wenn auch auf unterschiedliche Weise.

Über Monate haben die politischen Farben in Deutschland geflackert, und das scheinen sie seit dem Wahlabend weiter zu tun. Ampel oder Jamaika, gelb und grün mit schwarz oder rot. Nur rot-rot-grün war bald verglüht, Jamaika glomm weiter, halb Irrlicht, halb Bergbaulampe, die langsam erlischt. Gewonnen haben am Ende drei Farben: rot, grün und gelb, die Ampel also, der Rest verliert, rutscht ab.

Dass die SPD damit das alleinige Recht auf die Regierungsbildung hat, bedeutet das nicht – sie hat nach den Gepflogenheiten und berühmten ungeschriebenen Gesetzen nur den ersten Zugriff. Sie hat in ihrer Geschichte aber schon mehrere Mal als zweitstärkste Kraft den Kanzler gestellt, und noch vor dieser Wahl verkündet, auch als zweitstärkste Kraft eine Koalition bilden zu wollen. Sie hat das erste, logische Recht aus dem Gefühl der Dynamik, weil ihre Balken nach oben gingen – allerdings auch nur bis auf 25,7 Prozent.

Wer genauer hinschaut, sieht indes nur zwei Farben, die für die Zukunft leuchten: Grün und Gelb. Weil sie, erstens, mehrheitlich junge Wähler anziehen: Wähler unter 25 Jahren wählten Grün (23 Prozent) oder FDP (21 Prozent), Erstwähler mehrheitlich FDP (23 Prozent) bei den unter 60-jährigen kommen sie auf 18 und 14 Prozent. Die Mehrheit der Deutschen will zwar, dass die SPD die neue Regierung anführt, aber diese Mehrheit ist nun mal knapp, das Wahlergebnis der SPD ist knapp.

Grüne und FDP sind noch aus weiteren Gründen die Farben der Zukunft, auch wenn ihre Ideen an so vielen Stellen nicht zusammenpassen möchten.

Serie

So schaut…