Inmitten der angespannten politischen Lage in der Region haben die bosnischen Serben Pläne zur Bildung einer eigenen Armee bekanntgegeben. Per Votum im Parlament der halbautonomen serbischen Teilrepublik Republika Srpska würden die Serben ihre Zustimmung zu einer gemeinsamen bosnischen Armee zurückziehen, kündigte das serbische Mitglied der bosnischen Staatsführung, Milorad Dodik, an.

Zugleich werde die Bildung einer eigenständigen Armee „binnen weniger Monate“ vorgeschlagen. Bereits in den kommenden Tagen solle darüber abgestimmt werden. Die Pläne stünden im Einklang mit der Verfassung, so Dodik. Das kroatische Präsidentschaftsmitglied Zeljko Komsic sprach dagegen von einem „kriminellen Akt der Rebellion“. Das Staatspräsidium in Bosnien-Herzegowina ist aufgrund der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung dreiköpfig. Es setzt sich aus einem Bosniaken, einem Kroaten und einem Serben zusammen.

Gemeinsame Armee als Klammer

Seit dem Ende des Bosnienkrieges (1992-1995) besteht Bosnien aus zwei halbautonomen Teilrepubliken, einer serbischen und einer kroatisch-bosnischen. Jeder Teil hat seine eigene Regierung und sein Parlament. Zugleich gibt es eine gemeinsame serbisch-kroatisch-bosnische Zentralregierung. 2006 wurde eine gemeinsame Armee gebildet, die 10.000 Soldaten und zivile Mitglieder umfasst. Die internationale Gemeinschaft betrachtet diese als bedeutend für die territoriale Integrität Bosniens.

„Im Einklang mit der Verfassung“: Milorad Dodik, serbisches Mitglied des bosnischen Staatspräsidiums (Archivbild)

Die Lage im Land gilt derzeit ohnehin als angespannt: Seit Juli boykottieren die bosnischen Serben die Arbeit der zentralen Institutionen des Balkanstaates. Sie protestieren damit gegen ein Verbot der Leugnung von Völkermord, das der damalige UN-Gesandte für Bosnien und Herzegowina, Valentin Inzko, kurz vor dem Ende seines Mandats verhängt hatte.

Das Verbot zielte offensichtlich auf den serbischen Umgang mit dem Massaker von Srebrenica von 1995 ab….