Folgen des Brexit
Notstand an der Zapfsäule: Tausende britische Tankstellen ohne Benzin

Eine Tankstelle in Sheffield, die wegen Kraftstoffmangel geschlossen ist. Die Regierung fordert die Autofahrer auf, „ganz normal Kraftstoff zu kaufen“, nachdem der Mangel an Lastwagenfahrern die Versorgung beeinträchtigt hat.

© Danny Lawson/PA Wire / DPA

Weil Zehntausende Lastwagenfahrer fehlen, bekommen Tankstellen in Großbritannien keinen Kraftstoff mehr. Es kommt zu Panikkäufen und langen Schlangen. Ein Verband nennt nun Zahlen.

Der Notstand an den britischen Tankstellen nimmt alarmierende Züge an. Nach Angaben des Branchenverbands Petrol Retailers Association, der rund 5500 unabhängige Tankstellen vertritt, haben zwei Drittel der Mitglieder keinen Kraftstoff mehr. Die Nachfrage liege um bis zu 500 Prozent höher, sagte Verbandschef Brian Madderson dem Sender BBC Radio 4. Madderson sagte, 50 bis 90 Prozent der Tankstellen seien leer, die anderen drohten bald auszutrocknen.

An zahlreichen Tankstellen in Großbritannien gibt es derzeit Engpässe mit Benzin und Diesel, seit Tagen kommt es zu Panikkäufen und langen Schlangen. Hintergrund ist ein gewaltiger Mangel an Lastwagenfahrern, der zuvor bereits zu leeren Supermarktregalen geführt hatte. Wegen der Corona-Pandemie wurden etliche Fahrstunden und -prüfungen verschoben. Zudem wanderten wegen des Brexits etwa 20.000 vor allem osteuropäische Fachkräfte ab – neue strenge Einwanderungsregeln hemmen nun aber den Zuzug.

Regierung lenkt ein, um Versorgung zu sichern

Um die Probleme zu bekämpfen, will die Regierung unter anderem Arbeitsvisa für bis zu 5000 ausländische Lastwagenfahrer ausstellen. Verbandschef Madderson kritisierte, das Regierungsvorhaben greife zu kurz. Premierminister Boris Johnson hatte sich gegen Visa-Ausnahmen lange gesträubt, denn ein Ziel des Brexits war, die Freizügigkeit zu beenden.