Durch die „fast zwingende Teilnahme der Grünen“ sei ein „politischer Kulturwandel“ zu erwarten, sagt Götz Aly. Der Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist forscht zu den Themen Antisemitismus und Rassismus und befasst sich intensiv mit der deutschen Kolonialvergangenheit. Diesen erwarte er nicht nur in Fragen der Restitution, sondern „auch in der Frage, wie über die deutsche Kolonialgeschichte nachgedacht wird und welche Veränderungen in Museen, aber auch im öffentlichen Bewusstsein und in der Förderung von historischen Forschungen im Verhältnis zu den ehemaligen Kolonialstaaten notwendig sind.“

Götz Aly, Historiker, erwartet einen „politischen Kulturwandel“

Gerade im kürzlich eröffneten Humboldt Forum sei in Hinblick auf die Rückgabe von Kulturschätzen an ihre Herkunftsländer jede Menge zu tun. „Wichtig ist, dass wir diese Offenheit demonstrieren. Das setzt voraus, dass wir erst mal alle Inventare offen legen und sie ins Englische übersetzen“, sagt Aly. „Und dass wir unsererseits auch die Verbindung zu kolonialen Gewaltaktionen dokumentieren. Davon ist das Humboldt Forum noch himmelweit entfernt.“

Wenn es um Entscheidungen über Rückgaben geht, spricht sich Aly daher für eine institutionelle Trennung aus: Nicht die ethnologischen Museen selbst sollten darüber entscheiden, sondern beispielsweise unabhängige Kommissionen. „Dieser Gedanke ist im politischen Raum noch gar nicht diskutiert worden. Aber ich denke, mit der neuen Regierung kann man das machen.“

Bessere soziale Absicherung für Künstlerinnen 

Dass kulturpolitische Fragen künftig eine größere Rolle spielen werden, glaubt auch Olaf Zimmermann. Vor der Wahl hatte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates  gemeinsam mit seiner Kollegin Gabriele Schulz eine Einschätzung der Positionen der verschiedenen Parteien zur Kulturpolitik auf der Website des Kulturrates vorgenommen. Wichtig ist für ihn die Frage, ob die Kulturpolitik weiterhin dem Bundeskanzleramt zugeordnet bleibt…