Das Parlament in Bern hatte, unterstützt von der Regierung, im vergangenen Jahr die Möglichkeit der Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Homosexuelle Paare sollen demnach zivil heiraten oder ihre bereits eingetragenen Partnerschaften in eine Ehe umwandeln können. Der Gesetzestext sieht auch vor, dass gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam Kinder adoptieren können. Lesbische Frauen können sich in einer homosexuellen Partnerschaft auch künstlich befruchten lassen.

Emotional aufgeladene Debatte

Die Schweizerische Volkspartei und konservative Gruppen wollen das verhindern. Sie hatten nach der Entscheidung aus Bern Unterschriften eingereicht und damit eine Volksabstimmung über die „Ehe für alle“ durchgesetzt, die an diesem Sonntag abgehalten wird. Sie wollen die Ehe nur als Verbindung zwischen Mann und Frau akzeptieren. Den Initiatoren sind vor allem Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare oder Samenspenden für lesbische Paare ein Dorn im Auge. Das gefährde das Kindeswohl und bedeute „den Tod des Vaters“, argumentieren sie.

Ihre Chancen sind aber schlecht: In jüngsten Umfragen sprachen sich mehr als 60 Prozent der Schweizer für die „Ehe für alle“ aus.

Anfang September demonstrierten in Zürich Tausende Menschen für die „Ehe für alle“

Sieben Jahre lang wurde im Berner Parlament über die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare diskutiert. Im Dezember wurde die Änderung des Zivilgesetzbuches zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare schließlich angenommen. Erlaubt ist bisher nur eine eingetragene Partnerschaft, die jedoch rechtlich nicht der Ehe gleichgestellt ist.

qu/ml (dpa, afp, epd)