Die Entscheidung aus dem Vatikan war lange erwartet worden. Jetzt verlautete aus Kirchenkreisen, dass Papst Franziskus den umstrittenen Erzbischof Rainer Maria Woelki im Amt belässt. Allerdings werde Woelki auf eigenen Wunsch eine Auszeit von Oktober bis zum Beginn der Fastenzeit Anfang März kommenden Jahres nehmen. Die Nachrichtenagentur KNA sprach dagegen von einer vom Papst verordneten Auszeit. Zudem werde ein Administrator für das Erzbistum eingesetzt.

Kritiker Woelkis dürften enttäuscht sein, dass der Papst ihn nicht abberufen hat. Allerdings können die Auszeit und der Administrator auch so gewertet werden, dass ihm eine vollständige Rehabilitierung versagt worden ist.

Dunkle Wolken über dem Kölner Dom – das Erzbistum steckt tief in der Krise

Dauerkrise im Erzbistum

Die Diözese am Rhein wird seit gut einem Jahr von einer Vertrauenskrise erschüttert. Der Unmut über den Erzbischof war gewachsen, nachdem er ein Gutachten über den Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt mit Verweis auf rechtliche Gründe stornierte. Es wuchs der Eindruck, Woelki wolle etwas vertuschen. Ein zweites Gutachten, das kirchlichen Führungskräften 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Fällen sexualisierter Gewalt nachweist, brachte keine Befriedung.

Woelki selbst wurde juristisch entlastet. Doch diese Freisprechung stieß nicht auf Akzeptanz. Vielmehr appellierten Kritiker an ihn, gerade auch als langjähriger Vertrauter des früheren Kölner Kardinals Joachim Meisner moralische Verantwortung für das System zu übernehmen. Einen Rücktritt lehnte Woelki mehrfach ab.

Päpstliche Ermittlungen

Im Zuge des dadurch entstandenen Streits entfremdeten sich der Kardinal und die wichtigsten Gremien des größten deutschen Bistums immer weiter. Darauf reagierte Papst Franziskus in diesem Jahr, indem er zwei Bevollmächtigte ins Erzbistum Köln entsandte, den Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und den Rotterdamer Bischof Hans van den Hende. Sie befragten unter anderem Missbrauchsopfer und…