„Die Situation war dramatisch, als Corona anfing“, erinnert sich Brigitte Probst. „Wir hatten die Flüge unserer Artisten gebucht, die Kosten für die ganze Saison vorfinanziert. Die Premiere unseres Tourneestarts war in Vorbereitung, die Generalproben liefen und wir waren guter Dinge, um loszulegen.“ Dann setzten die Corona-Maßnahmen ein, Deutschland ging in den ersten Pandemie-Lockdown. Für den familiengeführten Circus Probst bedeutete dies, so erzählt Brigitte Probst im DW-Interview, „das komplette Aus für die Saison.“

Die Pandemie beendete nicht nur bei Circus Probst die Tournee, bevor sie angefangen hatte. In allen deutschen Manegen gingen die Lichter aus. Stillstand. Rund 350 Zirkusunternehmen, darunter familiengeführte Zirkusse, große Wanderzirkusse wie Roncalli oder Krone oder auch zeitgenössische Akrobatik-Ensembles mussten von jetzt auf gleich ihren Betrieb einstellen. Nicht anders erging es den etwa 900 lokalen zirkuspädagogischen Vereinen und Projekten, die deutschlandweit mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, und die ebenfalls zur Zirkuslandschaft gehören. Um sie finanziell aufzufangen, gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine – in Deutschland bislang beispiellose – Förderung der Zirkusse in Auftrag.

Die Krise bereitet Sorgen: Auch die Kinder und Enkelkinder von Brigitte Probst leben vom Familienzirkus

Bund: Millionen sollen Zirkusse retten

„Die Zirkusse hatten keine Auftritte, keine Einnahmen“, sagt Christina Peters, Projektleiterin der Förderinitiative „NEUSTART KULTUR im Circus“, im DW-Gespräch. „Gerade Betreiber kleiner Zirkusse standen komplett an der Wand, mussten sich Alternativen überlegen, von staatlichen Überbrückungshilfen leben oder sogar von Hartz IV.“

Die deutschen Zirkusse hatten ihre Existenzgrundlage verloren. Das bundesweite „NEUSTART“ –Soforthilfeprogramm von Kulturstaatsministerin Grütters stellte als Reaktion darauf ab Oktober 2020 zunächst fünf Millionen Euro für die angeschlagene Branche bereit, die…