Der in Italien festgenommene katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont ist wieder auf freiem Fuß. Puigdemont verließ am Abend das Gefängnis in Sassari auf Sardinien. Nach Angaben seines Anwalts darf der Exil-Politiker Italien entgegen vorheriger Angaben verlassen, an der nächsten Anhörung am 4. Oktober wolle er aber teilnehmen.

Ein Berufungsgericht in der Stadt Sassari verpflichtete den Politiker damit nicht, bis zur Klärung des weiteren Vorgehens auf der Insel oder in Italien zu bleiben. Im Oktober wird dann verhandelt, wie es mit dem von Spanien ausgestellten europäischen Haftbefehl weitergeht. Richterin Plinia Azzena hatte bei einer ersten Anhörung entschieden, dass die Verhaftung Puigdemonts am Donnerstag am Flughafen Alghero rechtens war. In Barcelona protestierten hunderte Katalanen vor dem italienischen Konsulat gegen die Festnahme.

In der Polizeistation am Flughafen von Alghero war Carles Puigdemont zuerst festgehalten worden

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez verlangte in Madrid erneut, dass sich Puigdemont der Justiz stellen müsse. Ihm soll wegen seiner führenden Rolle beim gescheiterten Abspaltungsversuch Kataloniens im Jahr 2017 in Spanien der Prozess gemacht werden – wegen „Aufruhrs“ und Veruntreuung öffentlicher Gelder.

„Der einzige Weg, um wieder zueinander zu finden“

Sanchez sprach sich trotz der Querelen um Puigdemont für eine Fortsetzung der Gespräche zwischen Madrid und Barcelona aus. „Heute ist es wichtiger denn je, den Dialog einzufordern“, erklärte Sánchez bei einem Besuch auf der Kanareninsel La Palma, der Dialog mit den Katalanen sei „der einzige Weg, um wieder zueinander finden zu können“. Diese eher versöhnlichen Worte dürften darauf zurückzuführen sein, dass erst in der vergangenen Woche Verhandlungen zwischen Spanien und der katalanischen Regionalregierung wieder aufgenommen worden waren. Zuvor waren Madrid und Barcelona lange so verfeindet, dass gar kein Dialog mehr zustande kam.

Spaniens Regierungschef…