Der frühere katalanische Regierungschef Carles Puigdemont ist auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien in Polizeigewahrsam genommen worden. „Präsident Puigdemont wurde bei seiner Ankunft in Sardinien verhaftet, wo er als Europaabgeordneter unterwegs war“, gab sein Anwalt Gonzalo Boye auf Twitter bekannt. Dies sei auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls von 2019 erfolgt.

Puigdemont sei von italienischen Grenzpolizisten am Flughafen von Alghero auf der italienischen Mittelmeer-Insel festgenommen worden, twitterte sein Stabschef Josep Lluis Alay. An diesem Freitag soll er dem Berufungsgericht in Sassari vorgeführt werden, „das über seine Freilassung oder Auslieferung entscheiden wird“.

Keine Immunität

Das Europäische Parlament hatte im März dieses Jahres die Immunität von Puigdemont sowie zweier weiterer ehemaliger Kabinettsmitglieder aufgehoben. Alle drei werden von Spanien wegen ihrer Rolle bei der Organisation des Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien im Jahr 2017 mit internationalem Haftbefehl gesucht. Puigdemont hatte sich daraufhin nach Belgien ins Exil begeben und war im Juni 2019 formell Mitglied des EU-Parlamentes geworden.

Im Februar 2020 demonstrierten rund 100.000 katalanische Separatisten im französischen Perpignan für Puigdemont

Die Regierung des Sozialisten Pedro Sánchez will immer noch, dass dem ehemaligen katalanischen Regierungschef in Spanien der Prozess gemacht wird. Puigdemont wird „Aufwiegelung“ und „Veruntreuung öffentlicher Gelder“ vorgeworfen. Sánchez forderte inzwischen die Auslieferung Puigdemonts durch Italien. Dieser müsse sich den Gerichten stellen, erklärte das Büro des Ministerpräsidenten.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez verlangt von Italien die Auslieferung von Carles Puigdemont

2019 waren mehrere Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung wegen Volksverhetzung zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt worden.

Die Festnahme dürfte den gerade erst begonnenen Dialog zwischen der…