Ullrich Schopf fordert von Österreich 100.000 Euro Schadenersatz. Gemeinsam mit seiner Mutter hat er Regierung und Behörden verklagt, weil sein Vater Hannes einen Skiurlaub in Ischgl nicht überlebt hat. Der Prozess vor dem Wiener Landgericht gilt als Testfall für 14 weitere Klagen – und mehrere Tausend Ansprüche, die an den Staat gestellt wurden.

Die Anwälte der Republik vertraten beim Auftakt des Verfahrens die Auffassung, dass die staatlichen Stellen mit dem damaligem Wissen über das Virus richtig gehandelt hätten und die Klage grundlos sei. Einen Vergleich lehnten sie deshalb ab. Das Gericht ließ auch keine weiteren Gutachten und Anträge zu. Da alle relevanten Informationen über das Handeln der Behörden bekannt seien, werde das Verfahren geschlossen, sagte die Richterin und kündigte ein schriftliches Urteil an.

Chaotische Evakuierung

Der ehemalige Journalist und leidenschaftliche Skifahrer Hannes Schopf zählte im März 2020 zu den Gästen in dem Tiroler Skiort, der gleich zu Beginn der Corona-Pandemie zu einem Superspreader wurde. Seine Witwe geht davon aus, dass er sich mit dem Virus ansteckte, als er bei der chaotischen Evakuierung von Ischgl drei Stunden lang mit lauter niesenden und hustenden Touristen im Bus gefahren sei. Wenige Wochen später war der 72-Jährige allein in einem Krankenhaus an COVID-19 gestorben.

Die Après-Ski-Bar „Kitzloch“ zählt zu den angesagtesten Lokalen in Ischgl (Archivbild)

Der auch bei Deutschen beliebte Ski- und Partyort Ischgl war im März 2020 wegen steigender Fallzahlen plötzlich geschlossen worden. Reiserückkehrer haben das Virus in viele Heimatländer weitergetragen. Klägeranwalt Alexander Klauser wirft den Behörden vor, zu spät auf die ersten Infektionen reagiert und Gesundheitsmaßnahmen nicht ausreichend umgesetzt zu haben.

„Die Leute rannten in Skistiefeln zu ihren Autos“

Außerdem habe Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am 13. März eine Quarantäne für Ischgl ohne Vorbereitungen verkündet. Tausende Urlauber,…