Meinung

Bundestagswahl
Es ist der spannendste Wahlkampf seit Jahren – und dennoch nur ein Merkel-Imitationsspektakel

Wahlkampf 2021: Wer kann Kanzlerin, wer die beste Raute formen, physisch und metaphorisch?

© Bernd Thissen / DPA

von Horst von Buttlar
17.09.2021, 20:00 Uhr

Es ist ein eigenartiger Wahlkampf – es sollte ein Aufbruch werden, doch am Ende ging es ums „Weiter so“. Das Symbol dafür wurde Merkels Raute. Und das war nur eine von vier Paradoxien.

Wahlkämpfe und Wahlen sind Prozesse, in denen sich ein Volk verortet. Es entscheidet, ob sich etwas ändern soll oder ob es im Großen und Ganzen so weitergeht. Diese einfache Richtungsentscheidung wird gern überhöht, da geht es um Wenden, Neuanfänge und Aufbruch, um Kontinuität oder eben Stabilität.

Nun, da wir auf den 26. September zusteuern, lassen Sie uns noch einmal zurückschauen, um zu verstehen, was vor uns liegt. Denn da kommt manches auf uns zu, ganz unabhängig von den Ergebnissen.

Es war ein ganz und gar eigenartiger und widersprüchlicher Wahlkampf, nicht nur, weil zwei von drei Kandidaten nahezu verheizt und verbrannt wurden – und der unwahrscheinlichste von ihnen die erstaunlichste Aufholjagd seit 2002 hingelegt hat.

Annalena Baerbock verglühte schnell, konnte sich stabilisieren, auch hier und da überzeugen, aber es reichte nicht mehr. Sie hat irgendwann den Kampf ums Kanzleramt aufgegeben. Armin Laschet kämpfte einen Stellungs- und Abnutzungskrieg, die Bilder seiner Kandidatur werden sich in eine Galerie der Hoffnungslosigkeit einreihen, selbst wenn die Wahl doch anders ausgeht.

Das spannendste Rennen seit 2005 

Und schließlich Olaf Scholz, an den lange niemand glaubte, außer er selbst, der alle überraschte, der nur warten und lächeln musste. Er antizipierte eine tektonische Verschiebung,…