Im Eröffnungsspiel der Champions-League-Gruppe D trifft zum ersten Mal eine Mannschaft aus der Ukraine auf eine Mannschaft aus dem benachbarten Moldawien. Aber wenn vor den Spielen zwischen Sheriff Tiraspol und Schachtar Donezk die Champions-League-Hymne ertönt, übertönt sie gleichzeitig zwei aktuelle, aber oft vergessene Konflikte in Europa.

Der ukrainische Meister Schachtar Donezk spielt im Exil in Lwiw, Charkiw und jetzt in der Hauptstadt Kiew, seit die östliche Stadt Donezk 2014 in einen Krieg mit den von Russland unterstützten Separatisten verwickelt wurde. Weniger bekannt sind die Debütanten von Sheriff Tiraspol, den ersten Vertretern der Republik Moldau in der Champions League überhaupt. Während die UEFA und auch die internationale Gemeinschaft die Stadt Tiraspol offiziell als moldawisch betrachten, würden die meisten Einwohner darauf bestehen, dass ihre Stadt die Hauptstadt von Transnistrien ist.

„Eine große Leistung“

Transnistrien ist ein schmaler Landstrich, der sich von Norden nach Süden über 400 Kilometer zwischen dem Fluss Dniester und der östlichen Grenze Moldaus zur Ukraine erstreckt. Er ist ein selbsternannter und international nicht anerkannter abtrünniger Staat mit mehr als 450.000 Einwohnern. Seit der Erklärung seiner Unabhängigkeit von der Republik Moldau nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 und einem kurzen, blutigen Krieg 1992 führt Transnistrien nach anhaltendem Waffenstillstand eine isolierte Existenz – mit eigener Regierung, Flagge, Militär, Währung und Postdienst. Und jetzt hat es mit Sheriff Tiraspol sogar eine eigene Champions-League-Mannschaft.

Sheriff Tiraspol gegen Tottenham Hotspur in der Europa League 2013

„Ich hätte nie geglaubt, dass der moldawische Fußball jemals eine Mannschaft in der Gruppenphase der Champions League haben würde“, sagte Gavril Balint, Europapokalsieger mit Steaua Bukarest 1986 und Trainer von Sheriff Tiraspol in der Saison 2002/03, zur DW. „Aber sie haben sich in vier sehr harten…