„Klartext“ im ZDF
Viel Mitgefühl, wenig Versprechen: Olaf Scholz, der große Umarmer

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in der ZDF-Sendung „Klartext, Herr Scholz!“

© Screenshot ZDF

von Jan Zier
15.09.2021, 06:57 Uhr

Der SPD-Kanzlerkandidat soll vor den Bürgern im ZDF „Klartext“ reden – und geht auf alle Kritiker zu, ohne ihnen außer Mitgefühl allzu viel zu versprechen.    

Seine Umarmungsstrategie hat Olaf Scholz schon ziemlich perfektioniert. Egal, wie sehr er angegriffen, ja: auch angefeindet wird – er geht erst einmal einen Schritt auf die anderen zu. Er hat Verständnis. Er äußert eine Betroffenheit, die man ihm auch gerne als ehrlich abnehmen will, ein Mitgefühl, das authentisch wirkt. Er gibt sich demütig, und er widersteht in der Regel auch allen Versuchungen, die politischen Konkurrenten allzu sehr anzugreifen.

Trotzdem ist er immer Politiker genug, um im Zweifelsfall nichts allzu Konkretes zu versprechen, jedenfalls nichts, wovon der andere sich auch etwas kaufen könnte. Es ist fast immer nur eben gerade so viel, dass man den Eindruck hat: Doch, der Olaf Scholz, der kümmert sich, oder er will es jedenfalls ernsthaft tun. Richtig konkret wird er dann nur an ein paar wenigen Punkten, die dann auch hängen bleiben. 

Scholz lobt sich, aber verspricht wenig

Zugleich profitiert der SPD-Kanzlerkandidat von dem Format dieser Sendung, die „Klartext“ verspricht – aber eben auch möglichst viele Menschen zu Wort kommen lassen will und so viele Themen es irgend geht irgendwie zumindest kurz abgehandelt haben will. Das führt dazu, dass immer dann, wenn es für Olaf Scholz in der zweiten Nachfrage vielleicht doch noch eng werden könnte, schon wieder ein neues Thema und die nächste Frage an der Reihe ist. Und natürlich beherrscht Olaf Scholz die Kunst, auch aus dem Stegreif ausufernd zu reden. Doch die Gabe, kurz, knapp und präzise…