Abgesehen von Putins omnipräsentem Presseoffizier Dmitri Peskow ist sie die wohl bekannteste Pressesprecherin Russlands: Kira Jarmysch. Die 32-jährige studierte Journalistik an der Diplomaten-Kaderschmiede MGIMO in Moskau – ohne Aufnahmeprüfung, da sie die landesweite „Intelligenz-Olympiade“ gewonnen hatte. Bereits 2014 schloss sich Jarmysch dem Team um Alexej Nawalny an und beteiligte sich, neben ihrer Pressearbeit, an den großen Recherchen gegenkorrupte Politiker. Jarmysch war die junge Frau, die neben Nawalny im Flugzeug saß, als der auf einem Flug nach Moskau ohnmächtig wurde. Nicht zuletzt dank ihrer schnellen Reaktion war die Rettung des vergifteten Oppositionspolitikers möglich.

Nach Nawalnys Rückkehr nach Moskau im Januar 2021 wurde auch Kira Jarmysch wegen des Aufrufs zu Demonstrationen festgenommen und verbrachte danach mehrere Monate unter Hausarrest. Vor kurzem hat Jarmysch Russland verlassen und lebt jetzt „irgendwo in Europa“, wo sie sich „sicher fühlt und vor allem viel effizienter arbeiten kann, als unter Hausarrest in Russland“, so die junge Frau gegenüber der DW.

Ein (fast) autobiografischer Text

Gerade ist Kira Jarmyschs Debutroman „DAFUQ“ auf Deutsch im Rowohlt-Verlag erschienen. Auf Russisch wurde der Roman unter dem Titel „Die unglaublichen Vorfälle in der Frauenzelle Nr. 3“ in einem regimekritischen Moskauer Verlag bereits 2020 publiziert – und von der russischen Kritik hochgelobt.

Der Plot könnte fast autobiografisch gedeutet werden: Die Hauptfigur Anja Romanowa ist gerade 28 und zunächst recht apolitisch. Eher zufällig beteiligt sie sich eines Tages an einem Protestmarsch – und wird festgenommen. Ihre zehntägige Strafe verbüßt sie in einer Zelle mit fünf weiteren Frauen. Sechs Leben prallen aufeinander, sechs Schicksale, die das heutige Russland spiegeln, mit der Kluft zwischen Armut und Reichtum, Freiheitsstreben und Regime-Gläubigkeit. Eines haben sie allerdings alle gemeinsam: einen unendlichen Verdruss angesichts der bleiernen…