Die Szene aus einem Hörsaal der Universität von Kabul wirkt beklemmend. Bis oben hin sitzen fast ausschließlich voll verschleierte Frauen im Auditorium und zeigen sich mit der neuen Kleiderordnung der Taliban für Studentinnen solidarisch – und noch darüber hinaus: Viele tragen ein Banner mit sich, auf dem es heißt: „Wir sind mit der islamischen Einstellung und dem Verhalten der Mudschaheddin zufrieden.“

Die Veranstaltung hat Signalwirkung an diesem 11. September 2021, dem zwanzigsten Jahrestag von 9/11. Die Bilder aus der Kabuler Universität gingen um die Welt.

Die neuen Machthaber in Afghanistanhaben den Frauen noch nicht verboten, öffentlich ihr Gesicht zu zeigen. Diese Freiheit endet jedoch auf dem Gelände der Universität. Frauen dürfen zwar weiterhin studieren. Allerdings unter den strengen Gesetzen der Scharia. Sie dürfen nur noch komplett verhüllt in die Uni, die Vorlesungen sind geschlechtlich getrennt.

„Die Koedukation [gemeinsamer Unterricht von Frauen und Männern, d. Red.] steht im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam sowie zu den nationalen Werten, Sitten und Gebräuchen“, sagte der amtierende Minister für höhere Bildung, Abdul Baki Hakkani, zur Begründung. „Wir haben keine Probleme damit, das gemischte Bildungssystem abzuschaffen. Die Menschen sind Muslime und werden es akzeptieren.“

Frauen demonstrieren für die Taliban

Die britisch-afghanische Politikerin Peymana Assad bezeichnet dies als „unfassbar fremd in der afghanischen Kultur“. Dieser Angriff auf die afghanische Identität habe sie unglaublich wütend gemacht, sagte sie in einem Statement gegenüber internationalen Nachrichtenagenturen.

Mit ihrer Haltung ist Peymana Assad nicht alleine. Inzwischen folgen Frauen weltweit einer Kampagne auf Twitter. Unter dem Hashtag #DoNotTouchMyClothes protestieren sie gegen die neue Kleiderordnung und posten Bilder von sich in bunten traditionellen afghanischen Gewändern. Und sie zeigen dabei ihr Gesicht.

Initiatorin ist die Akademikerin und…