von Doris Schneyink
15.09.2021, 11:58 Uhr

Barfußschuhe und Rocket Science: Erstmals setzen sich beim Deutschen Gründerpreis zwei von Frauen aufgebaute Unternehmen durch.

Ein Atelier für Barfußschuhe hätte man hier wirklich nicht vermutet – gleich an der S-Bahn Köln-Nippes und neben einer Bude für muskelfördernde Proteinpülverchen. Sprayer haben in fetten Buchstaben ein „Hizig“ auf den Rollläden hinterlassen. Um kurz vor neun schließt Anna Yona, 43, Chefin und Gründerin von Wildling Shoes, den Laden auf und lässt fünf Kolleginnen rein. Normalerweise arbeiten sie wie alle rund 200 Mitarbeiter des Start-ups komplett remote, doch ab und zu treffen sie sich, etwa um neue Kollektionen zu planen. „Dann bunkern wir uns tagelang hier ein, stellen die Smartphones aus und klappen die Laptops zu“, sagt Yona. An der großen Pinnwand hängen Scribbles von neuen Modellen, Wollmuster von alten Landschafrassen, „deren Wollen niemand verarbeiten will, weil sie kratzig und hart sind, die aber einen tollen, haltbaren Stoff ergeben“, sagt die Gründerin. Über Farbvorlagen hängt ein Zettelchen mit einem Pfeil ‚Pia und Cosima finden DAS am besten‘. In einem Regal liegen ultradünne Schuhsohlen, Einlagen aus Hanf und jede Menge Wildlinge – jene minimalistischen Schuhe, um die sich hier alles dreht.

Von Hartz IV zur Unternehmerin mit Millionen-Umsätzen

Die Idee dazu kam Anna Yona und ihrem Mann Ran, als sie 2013 mit ihren drei Kindern aus Israel zurück nach Deutschland zogen. Die Kleinen, die zuvor fast nur barfuß gelaufen waren, brauchten erstmals richtige Schuhe und kamen damit nicht klar. Zu fest, zu wenig ergonomisch, fanden Anna und Ran, der als Sporttherapeut in Israel ein Fitnessstudio betrieben hatte. Tatsächlich nehmen dicke Sohlen und Schuhe mit Dämpfung den Füßen einen Großteil der Arbeit ab, was die meisten von uns als angenehm empfinden. Doch der Luxus hat einen Preis. „Babys kommen eigentlich mit…