von Moritz Herrmann
15.09.2021, 13:45 Uhr

Zum ersten Mal zeigt Amazon Prime ein Champions-League-Spiel. Dabei tut der neue Sender alles dafür, bloß nicht als neuer Sender aufzufallen. Eine Nachtkritik.

Hätte man diese Übertragung in die bei Amazon üblichen Streamingkategorien einsortieren müssen, sie wäre gewiss nicht unter Action gelaufen. Auch Drama träfe es nicht. Nein, das, was die geneigten Fußballzuschauer da am Dienstagabend geboten bekamen, war wohl am allerehesten als romantische Komödie zu bezeichnen. Es wurde viel und oft gelacht, noch mehr gefrotzelt, durchweg geduzt und am Ende hatten sich alle lieb. Selbst der FC Barcelona war dem FC Bayern in seinen alpinen Trikots so zugetan, dass er ihn ohne jede Gegenwehr drei Tore schießen ließ.

Und so saß man danach noch lange auf der Couch, starrte den längst schwarz gewordenen Bildschirm an und mochte überlegen, woher einem diese kumpelhafte Art der Berichterstattung bekannt war. Achja, genau, von Sky, daher! Nun läuft die Champions League in dieser Saison aber nicht mehr auf Sky, zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten, sondern auf DAZN – und, wie gestern gesehen, eben auch auf Amazon Prime.

Der Versandhandelsriese darf das Topspiel am Dienstag zeigen, und so ein Gigantenduell im Camp Nou gleich zu Beginn, das war doch was. Nur was? Für den neuen Sender die Gelegenheit, bloß nicht als neuer Sender aufzufallen. Hätte man nicht gelegentlich auf das Logo in der oberen rechten Bildecke gestarrt, auf den grinsenden Amazon-Pfeil, die Umstellung wäre nicht aufgefallen. Was zuvorderst an Sebastian Hellmann lag, den sich Prime listig von Sky ausgeliehen hat, damit er jetzt halt gestreamt die Königsklasse wegmoderiert. Und das, was bei Sky Lothar Matthäus war, ist jetzt Matthias Sammer. Hellmann ließ sich davon nicht irritieren und ohnehin nur ein Mal den Namen Amazon fallen, fast so, als sei ihm mittlerweile selbst egal, unter…