Der britische Regierungschef Boris Johnson hat eine größere Kabinettsumbildung angekündigt. Neue Chefdiplomatin in London wird die vormalige Handelsministerin Liz Truss. Der bisherige Außenminister Dominic Raab verliert dieses Amt; er wechselt allerdings nur den Schreibtisch: Raab bleibt stellvertretender Premier, dient künftig jedoch als Justizminister und löst damit Robert Buckland auch als Lordkanzler ab.

„Durch (…) seine Weisheit (…) gewann er das Vertrauen seiner Landsleute“ heißt es auf dem Denkmal hinter Dominic Raab – das allerdings dem früheren Außenminister Edward Grey gewidmet ist

Der Lord High Chancellor of Great Britain, der protokollarisch gesehen sogar über dem Premierminister steht, übt in Großbritannien zugleich das Amt des Justizministers aus und hat noch eine Vielzahl weiterer Funktionen. Buckland hatte beim EU-Referendum 2016 für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union gestimmt. Jetzt dürfte er wieder mehr Zeit für einige Hobbys haben – laut seiner Website: Musik, Wein, Politische Geschichte und, als Zuschauer, Rugby und Cricket.

Geheime Informationen

Bildungsminister Gavin Williamson, der seit Sommer 2019 Bildungsminister war, verliert zum zweiten Mal einen Kabinettsposten: Davor gehörte er bereits als Verteidigungsminister der ebenfalls konservativen Regierung von Premierministerin Theresa May an – die ihn aber entließ, nachdem geheime Informationen an die Presse durchgestochen worden waren und die undichte Stelle in seinem Ressort vermutet wurde.

Einige Tischkarten werden ausgetauscht: Kabinettssitzung im traditionsreichen Cabinet Room in 10 Downing Street, dem ständigen Wohnsitz des britischen Premierministers

Schon wochenlang hatte es Spekulationen um die Zukunft mehrerer Kabinettsmitglieder gegeben. Wichtigster Anlass war der chaotische Abzug der Westmächte aus Afghanistan im August. Nicht allein die USA standen im Kreuzfeuer der Kritik, auch die britische Regierung geriert massiv unter…