Die Demonstranten kamen vor dem Regierungssitz des Gouverneurs in Kandahar zusammen, wie ein Mitarbeiter der ehemaligen Regierung am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Sie reagierten demnach auf die Aufforderung, eine Wohnsiedlung des Militärs zu räumen. Auf Videoaufnahmen örtlicher Medien sind Menschen zu sehen, die eine Straße in der Stadt blockieren.

In der Siedlung leben bislang Angehörige von Armee-Mitgliedern, manche von ihnen schon seit über 30 Jahren. Nach Angaben des Ex-Regierungsmitarbeiters wurden ihnen drei Tage Zeit gegeben, um das Areal zu verlassen. Von den Taliban war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Dementi zu Machtkämpfen

In Kabul wies derweil ein Sprecher der Islamisten Berichte über tödliche Machtkämpfe in der Spitze der Gruppierung zurück. Der stellvertretende Ministerpräsident Mullah Abdul Ghani Baradar habe in eine Sprachbotschaft Behauptungen widersprochen, er sei bei einer Schießerei mit Rivalen getötet worden, twitterte Taliban-Sprecher Sulail Schahin. In Online-Netzwerken hatte sich zuvor das Gerücht verbreitet, Baradar sei bei einer Schießerei zwischen rivalisierenden Gruppen innerhalb der Taliban im Präsidentenpalast in Kabul tödlich verletzt worden. Zudem veröffentlichten die Taliban ein Video, das Baradar bei einem Treffen in Kandahar zeigen soll. Die Echtheit der Aufnahme konnte vorerst nicht verifiziert werden.

In Kabul gibt es Spekulationen, dass es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Baradars mit denen von Innenminister Siradschuddin Hakkani gekommen sein soll. Bisher haben die Taliban immer Machtkämpfe in ihrer Spitze bestritten.

Baradar ist seit einiger Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten. Dasselbe gilt für den obersten Taliban-Führer Mullah Haibatullah Achundsada. Die Spekulationen über den Verbleib der Männer werden befeuert durch den Umgang mit dem Tod von Taliban-Mitbegründer Mullah Omar, Staatsoberhaupt während der ersten Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001….