„Zu oft seid ihr Gegenstand von vorgefassten Meinungen und erbarmungslosen Urteilen, diskriminierenden Stereotypen, diffamierenden Worten und Gesten“, sagte Papst Franziskus bei einem Besuch der heruntergekommenen Roma-Siedlung Lunik IX in Kosice. „Gettoisierung von Menschen bringt keine Lösung. Wenn man die Eingeschlossenheit schürt, bricht früher oder später Wut aus“, betonte das katholische Kirchenoberhaupt im Osten der Slowakei. Zu friedlichem Zusammenleben zwischen der Mehrheitsbevölkerung und der Minderheit führe allein Integration. Wörtlich fügte der 84-Jährige hinzu: „Der Weg zu friedlicher Koexistenz ist Integration.“

Das Oberhaupt der katholischen Kirche setzte sich damit ein weiteres Mal für die Unterstützung der ärmsten Bevölkerungsgruppen ein. „Andere an den Rand zu drängen, bringt nichts. Uns von anderen zu isolieren, führt letztlich zu Ärger“, sagte Franziskus. In der baufälligen Plattenbausiedlung empfingen die Bewohner den Papst herzlich, tanzten und jubelten ihm zu.

Ein Blick auf einen Plattenbau der Roma-Siedlung Lunik IX in Kosice

Schlimme hygienische Zustände

In Lunik IX leben fast 4500 Menschen dicht gedrängt, in zumeist verschmutzten und heruntergekommenen Gebäuden. Organisationen berichten von schlimmen hygienischen Zuständen. Auf engstem Raum leben oft Großfamilien in mehreren Generationen zusammen. Ausgelegt ist die Siedlung für halb so viele Bewohner. Viele Gebäude haben weder Strom noch Heizung, Gas oder fließend Wasser, weil die Versorgung wegen unbezahlter Rechnungen gekappt wurde. Das nach einer Mondrakete benannte Viertel war einst als Arbeitersiedlung angelegten worden. Die Regierung siedelte die Roma später dort an. Heute gilt Lunik IX als eine der größten Roma-Siedlungen in Mitteleuropa.

„Es ist wunderbar, dass der Heilige Vater an einen Ort kommt, an den sonst niemand gehen will“, sagte Peter Besenyei, Vorsitzender der örtlichen Salesianer-Gemeinde. Es sei schwierig, Lehrer oder Priester zu finden, die in Lunik…