Nach der Ermordung von Haitis Staatschef Jovenel Moïse soll Anklage gegen Ministerpräsident Ariel Henry erhoben werden. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den zuständigen Richter hervor.

Der als Chef der Staatsanwaltschaft fungierende Regierungskommissar der Hauptstadt Port-au-Prince, Bed-Ford Claude, forderte zudem, „aufgrund der Schwere der aufgedeckten Tatsachen“ eine Ausreisesperre gegen Henry zu erlassen. Was dem Premierminister genau vorgeworfen wird, blieb unklar.

Kontakt mit Hintermann?

Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Seine Ehefrau Martine überlebte die Attacke schwer verletzt.

Nach Polizeiangaben führten kolumbianische Söldner den Mord aus. Zu den Hintermännern sollen ein haitianischer Arzt, der in den USA wohnte, und ein Ex-Funktionär des haitianischen Justizministeriums gehören. Es gab zahlreiche Festnahmen, aufgeklärt wurde der Fall bisher aber nicht. Henry soll in der Nacht des Attentats mit einem der mutmaßlichen Hintermänner telefoniert haben.

Staatschef Jovenel Moïse wurde nur 53 Jahre alt

Einige Ermittler im Fall Moïse haben angegeben, Todesdrohungen erhalten zu haben und sich deshalb versteckt zu halten. Der ursprünglich zuständige Richter trat zudem vor einem Monat zurück – er gab persönliche Gründe an.

Unpopulärer Präsident

Moïse hatte Henry – keine 36 Stunden vor seinem Tod – zum bereits siebten Regierungschef seiner Amtszeit ernannt. Bevor der 71-Jährige jedoch den Posten antreten konnte, lieferte er sich einen Machtkampf mit Interims-Ministerpräsident Claude Joseph. In der Folge wurde Joseph wieder Außenminister.

Der Mord stürzte den ohnehin von Instabilität und großer Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. Viele Haitianer machten…