US-Außenminister Antony Blinken hat scharfe Kritik der oppositionellen Republikaner am Afghanistan-Abzug zurückgewiesen. „Selbst die pessimistischsten Einschätzungen haben nicht vorhergesagt, dass die (afghanischen) Regierungstruppen in Kabul zusammenbrechen würden, während noch US-Einheiten vor Ort sind“, sagte der per Video zugeschaltete Blinken vor dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses.

Der demokratische Präsident Joe Biden habe vor der Wahl gestanden, die US-Truppen abzuziehen oder den Krieg gegen die militant-islamistischen Taliban zu eskalieren, betonte der Außenminister.

„Bedingungslose Kapitulation“

Michael McCaul, der ranghöchste Republikaner im Auswärtigen Ausschuss, meinte hingegen: Der Abzug sei „eine Katastrophe epischen Ausmaßes“ gewesen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich zu Lebzeiten eine bedingungslose Kapitulation vor den Taliban miterleben werde.“

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Blinken machte seinerseits erneut die Regierung von Bidens republikanischem Vorgänger Donald Trump für das Chaos beim Abzug verantwortlich. Er verwies darauf, dass diese mit den Taliban einen Abzug aller US-Truppen bereits bis zum 1. Mai vereinbart hatte, und kritisierte, dass es dafür keinerlei Planungen gegeben habe. „Wir haben eine Frist geerbt. Wir haben keinen Plan geerbt.“

Blinken verteidigte außerdem das Festhalten des von Biden schließlich festgelegten Abzugsdatums 31. August. „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein längerer Verbleib die afghanischen Sicherheitskräfte oder die afghanische Regierung widerstandsfähiger oder eigenständiger gemacht hätte“, sagte der Minister. „Wenn 20 Jahre und hunderte Milliarden Dollar an Unterstützung, Ausrüstung und Training nicht ausgereicht haben, warum sollte es dann ein zusätzliches Jahr, oder fünf, oder zehn?“

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