Norwegen wählt an diesem Montag ein neues Parlament. Nach acht Jahren unter der konservativen Ministerpräsidentin Erna Solberg deuten die Umfragen auf einen Regierungswechsel in Oslo hin. Die besten Chancen werden der sozialdemokratischen Arbeiterpartei eingeräumt, die für eine Parlamentsmehrheit jedoch auf mehrere Koalitionspartner angewiesen sein wird. Wird sie stärkste Kraft, könnte ihr Vorsitzender Jonas Gahr Støre zu Solbergs Nachfolger werden – Norwegen würde dann ebenso wie seine nordischen Partnerländer Dänemark, Schweden und Finnland federführend wieder von den Sozialdemokraten regiert.

Das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Oslo – die 169 Parlamentssitze werden neu besetzt

Stimmberechtigt sind knapp 3,9 Millionen Norwegerinnen und Norweger. Während Montag der offizielle Wahltag ist, war bereits am Sonntag in fast der Hälfte der norwegischen Gemeinden die Stimmabgabe möglich. Knapp 1,65 Millionen Wählerinnen und Wähler hatten auch schon davor Möglichkeiten zur Stimmabgabe genutzt. Das entspricht mehr als 42 Prozent aller Wahlberechtigten und ist ein Rekord bei einer norwegischen Parlamentswahl.

Klimaschutz bestimmendes Wahlkampfthema

In der wohlhabenden Öl-Nation, die nicht der EU angehört, hatten vor allem der Klima- und Umweltschutz und damit verbunden auch die Öl-Politik eine wichtige Rolle im Wahlkampf gespielt. Die Veröffentlichung des jüngsten Sonderberichts des Weltklimarates IPCC vor gut einem Monat hatte Parteien mit klarem Klimafokus Aufwind verliehen. Noch im Frühjahr 2020 stand Solberg gut da, weil sie das Land relativ gut durch die erste Phase der Corona-Pandemie gebracht hatte. Bis zur Wahl konnten ihre guten Zustimmungswerte aber nicht überdauern.

Die wichtigsten Kandidaten (v. l.): Erna Solberg, Jonas Gahr Støre und Trygve Slagsvold Vedum (Zentrum)

Solberg (60) regiert Norwegen seit 2013, Støre (61) war in der vorherigen Regierungszeit unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und…